Ausbildungsnovelle

PTA-Gespräche im BMG

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Berlin -

Nicht nur über das Rx-Versandverbot wird in diesen Tagen im Bundesgesundheitsministerium (BMG) intensiv diskutiert. Letzte Woche trafen sich Vertreter der Apothekengewerkschaft Adexa, des Bundesverbandes PTA und der ABDA mit BMG-Vertretern. Es ging um die Reform der PTA-Ausbildung. Demnächst sollen die PTA-Schulleiter ins BMG kommen. Minister Jens Spahn (CDU) will auch bei der Reform der PTA-Ausbildung rasch vorankommen. Allerdings: Über die Übernahme des Schulgeldes wurde nicht gesprochen.

Dafür wurden bei dem mehrstündigen Gespräch die Standpunkte zur Neuordnung der PTA-Ausbildung ausgetauscht. Adexa-Vorstand Andreas May war mit dem Austausch zufrieden: „Das Treffen war sehr offen und konstruktiv. Es wurde deutlich, dass das Ministerium – nicht zuletzt aufgrund unseres beharrlichen Engagements – die PTA jetzt wirklich im Fokus hat und beim Novellierungsprozess auf den Startknopf gedrückt hat.“

Gesprochen wurde mit Abteilungsleiter Thomas Müller. Nach dem Eindruck von Teilnehmern sieht das BMG bei der seit Jahrzehnten unveränderten PTA-Ausbildung dringenden Handlungsbedarf. Nach dem Treffen sagte BVpta-Bundesvorsitzende Sabine Pfeiffer van Rijswijk: „Wir haben noch einmal erläutern können, warum BVpta und Adexa die Verlängerung der Ausbildung auf drei Jahre für geboten halten. Dabei wissen wir die Mehrheit der PTA und des Berufsnachwuchses hinter uns.“

Die ABDA lehnt eine Verlängerung auf drei Jahre ab. Bei den PTA-Schulen stößt der Vorschlag aus Skepsis, weil eine Verlängerung um sechs Monate nicht ins Schuljahr passe. Adexa und BVpta fordern neben einer inhaltlichen Neuausrichtung, die Fachschulausbildung von 24 auf 30 Monate zu verlängern. Ein längeres PTA-Praktikum wird aus verschiedenen Gründen für wenig zielführend gehalten. Dazu die Leiterin des Adexa-Referates Schulen & Unis, Michaela Freudenfeld: „Wir wissen, dass die Qualität der praktischen Ausbildung und die Möglichkeit, sich auf die abschließende Prüfung vorzubereiten, von Apotheke zu Apotheke sehr unterschiedlich sind. Bei einem einjährigen Praktikum wäre das Risiko noch höher, dass – statt einer guten und breitgefächerten Anleitung – die PTA-Praktikantinnen lediglich als billige Arbeitskraft eingesetzt werden.“

Bereits im Sommer hatte Spahn angekündigt, dass er nicht nur das PTA-Schulgeld bundesweit abschaffen, sondern auch die Inhalte der PTA-Ausbildung modernisieren will. Darauf reagieren Adexa und BVpta mit einem gemeinsamen Positionspapier: „Das Aufgabenbild von PTA hat sich im Laufe der mehr als 50-jährigen Berufsgeschichte stark gewandelt“, so Bettina Schwarz, Geschäftsführerin des BVpta. „Deshalb ist es an der Zeit für eine tiefgreifende Novellierung.“ Rund 66.000 PTA und mehr als 2000 PTA-Praktikanten seien in öffentlichen Apotheken tätig. Über PTA liefen 70 bis 80 Prozent aller Kundenkontakte. Weitere Tätigkeitsschwerpunkte seien die Herstellung, Prüfung und Dokumentation von Rezepturen und Defekturen. Auch bei Krankenkassen oder in der Industrie erfüllten PTA wichtige Aufgaben.

Die Ausbildungsdauer soll auf 36 Monate verlängert werden, also 30 Monate PTA-Fachschule und wie bisher sechs Monate Praktikum. Ausbildungsschwerpunkte und Themen seien nach zeitgemäßen Erfordernissen aufzustocken und die Ausbildungsstandards bundesweit anzugleichen. Zum zeitgleichen Erwerb eines Fachhochschulabschlusses sollen zusätzlich Deutsch und Mathematik sowie eine Fremdsprache erforderlich werden.

Mit Blick auf den 50. Geburtstag des PTA-Gesetzes hatte Adexa im März eine Umfrage unter PTA gestartet. Eine 2,5-jährige Ausbildung, lautet danach der Wunsch der Befragten. An der Online-Umfrage der Adexa nahmen etwa 900 PTA teil. Das Ergebnis zur Verlängerung der Schulzeit war eindeutig – 77 Prozent stimmten dafür. 54 Prozent fordern eine Verlängerung der Schulzeit um sechs Monate und 23 Prozent wünschen sich eine sechsmonatige Verlängerung der Praktikumszeit. Nur 19 Prozent finden die Ausbildungszeit angemessen.

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