OVG Münster: Großhändler müssen Apothekerwissen nachweisen

, Uhr

Berlin - Großhändler müssen in ihren Niederlassungen Personal mit pharmazeutischem Wissen beschäftigen. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) nach der heutigen Verhandlung über die erforderliche Sachkunde von „verantwortlichen Personen“ entschieden. Damit wurde die Auffassung der Erstinstanz bestätigt, dass allein eine kaufmännische Ausbildung nicht ausreicht. Das OVG hat den Einspruch der Sanacorp zurückgewiesen und Revision beim Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) zugelassen. Die Urteilsgründe liegen nicht vor.

Gegenstand der heutigem Verhandlung vor dem OVG war die Frage, ob „verantwortliche Personen“ zwangsläufig eine pharmazeutische Ausbildung vorweisen müssen. Diese ist in der Praxis offenbar nicht regelmäßig vorhanden. In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf (VG) geurteilt, dass langjährige Berufserfahrung im Arzneimittelgroßhandel und eine kaufmännische Ausbildung allein nicht ausreichen.

Die Verhandlung vor dem OVG geht zurück auf eine Entscheidung des VG aus dem März 2017. Geklagt hatte die Sanacorp gegen die zuständige Aufsichtsbehörde, die einer vom Großhändler eingesetzten verantwortlichen Person die Eignung abgesprochen hatte. Für die Niederlassung in Düsseldorf hatte die Sanacorp 2014 angezeigt, dass ein Mitarbeiter mit Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann, der in leitender Position seit Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt war, die Funktion der verantwortlichen Person übernommen habe. Der Mitarbeiter war seit Februar 2005 als Betriebsleiter tätig und leitete mehrere andere Niederlassungen des Großhändlers. Die Genossenschaft machte geltend, dass er daher mit den Gegebenheiten und Anforderungen eines pharmazeutischen Großhandelsbetriebes bestens vertraut sei.

Das reichte der Aufsicht aber nicht aus. Die Bezirksregierung teilte im April 2014 mit, dass der Nachweis der Sachkenntnis „für Herrn Q.“ nicht erbracht worden sei. Aus den vorgelegten Unterlagen gehe nicht hervor, dass dieser über „naturwissenschaftliche Kenntnisse“ verfüge, die eine pharmazeutische Beurteilung im Falle möglicher Abweichungen der Arzneimittelqualität ermöglichten. Die erforderliche Sachkenntnis der verantwortlichen Person sei „höchstpersönlicher Natur“, so die Aufsicht. Sie drohte sogar, das Ruhen der Großhandelsgenehmigung anzuordnen, wenn nicht der erforderliche Sachkenntnisnachweis erbracht oder eine andere, geeignete Person benannt werde.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr zum Thema

Freude über EuGH-Entscheidung
Kammer: Rx-Gewinnspiel geht zu weit »
Barrabatt ja, Gewinnspiele nein
EuGH: DocMorris darf nicht alles »
Weiteres
Apotheken sollen 10.000 Euro im Jahr investieren
„Apotheker unterschätzen ihre Macht“»
Bakterien und Antibiotika
Bayern: Stabile Resistenzlage»
Entourage-Effekt des Hopfens
CBD ohne Hanf»
Apotheken brauchen Support vom Softwarehaus
DAV-Portal: Anbindung beginnt»