Landartzgesetz reicht aus

NRW-Gesundheitsministerium: Kein Apothekermangel auf dem Land Tobias Lau, 04.04.2019 13:31 Uhr

Berlin - Die flächendeckende Versorgung mit Ärzten nimmt auf dem Land immer weiter ab. Praxen müssen schließen, weil sie keine Nachfolger finden, junge Mediziner siedeln sich lieber in den Städten an. Eine Situation, die Apothekern sehr vertraut ist. Um bei der Landarztversorgung Abhilfe zu schaffen, hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen das sogenannte Landarztgesetz auf den Weg gebracht: Wer sich später in einem Dorf niederlässt, bekommt leichter einen Studienplatz. Für Pharmazeuten ist nichts vergleichbares geplant, denn einen Apothekermangel gebe es auf dem Land nicht, teilt das Gesundheitsministerium auf Anfrage mit.

Wer Mediziner werden will, aber nicht den nötigen NC hat, kann sich seit dieser Woche in Nordrhein-Westfalen auf einen Landarzt-Studienplatz bewerben. Wer einen der Plätze erhält, muss sich vertraglich verpflichten, nach der Aus- und Weiterbildung mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Bei Vertragsbruch steht eine Strafzahlung in Höhe von bis zu 250.000 Euro an das Land an.

Jeder 13. Studienplatz soll künftig auf diese Weise vergeben werden, kündigte die Landesregierung am Montag an. 145 solcher Studienplätze würden dazu für das kommende Wintersemester zur Verfügung gestellt. Das Bewerbungsverfahren ist zweistufig: Zuerst werden die Abiturdurchschnittsnote mit 30 Prozent, der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) mit 30 Prozent und eine Ausbildung, berufliche oder praktische Tätigkeit mit 40 Prozent gewichtet. In der zweiten Stufe werden Auswahlgespräche geführt. Vier Stellen im öffentlichen Dienst hat die Landesregierung allein dafür geschaffen, das Auswahlverfahren durchzuführen. „Ich freue mich, dass wir die Landarztquote nun als erstes Bundesland in die Tat umsetzen“, sagte CDU-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Andere Bundesländer planen bereits ähnliche Regelungen.

Kritik kommt von der Opposition: Statt eine komplizierte Quote einzuführen, solle die Landesregierung dafür sorgen, die Arbeit auf dem Land attraktiver zu machen, indem sie ausreichende Infrastruktur sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen herstellt, und die Ausbildungskapazitäten erhöht, monieren die Grünen. Ergänzend könnten Telemedizin-Angebote helfen, den Mangel zu lindern. Das eigentliche Problem sei nämlich die ungleiche Verteilung der Arztpraxen mit einer Unterversorgung in ländlichen und strukturschwachen Räumen und einer Überversorgung strukturstarken Regionen, so der gesundheitspolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion Mehrdad Mostofizadeh.

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