Grippeschutzimpfungen: Nordrhein geht voran

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Auch in Niedersachsen laufen nach Auskunft des LAV Gespräche mit Krankenkassen. Dort hofft man, vor Jahresende zu einer Vereinbarung zu kommen. In Mecklenburg-Vorpommern steht man nach eigenen Angaben Grippeschutzimpfungen zwar „wohlwollend“ gegenüber. Geplant sei aber derzeit noch nichts. Und in Thüringen zieht man sich auf die Berufsordnung zurück: Diese verbiete Apothekern das Impfen, so Verbandschef Stefan Fink. Außerdem habe man das Thema Grippeschutzimpfungen „nicht dynamisch unterstützt“.

Und die Apothekerkammer Brandenburg hatte sogar eine Resolution gegen Modellprojekte verabschiedet: „Impfen ist eine originär ärztliche Tätigkeit und stellt eine komplexe Aufgabe dar, die nicht im Rahmen einer einmaligen Schulung erlernt werden kann“, hieß es bereits letzten November in einer mit der Landesärztekammer wortgleichen Erklärung: „Im Sinne des Patientenschutzes müssen Impfungen daher da stattfinden, wo eine ärztliche Überwachung und notfalls auch Behandlung gewährleistet ist.“

Am weitesten ist man im Apothekerverband Nordrhein. Dort steht man kurz vor einem Abschluss mit der AOK Rheinland/Hamburg. Bereits im Herbst 2019 habe die Kasse ihr Interesse an einem Modellprojekt signalisiert, berichtet Preis: „Diesen Ball haben wir aufgegriffen und sofort tiefgehende Gespräche geführt. Wir wollen möglichst bald ein Modellprojekt starten. Ich hoffe, dass wir die Impfsaison 2020/21 noch schaffen.“ Für den Verbandschef hat das Grippeschutzimpfen in Apotheken große Bedeutung, „auch wegen der Aufgaben, die aus der Corona-Krise auf die Apotheken zukommen.“ Apotheken hätten sich gerade jetzt als wichtige Anlaufstelle empfohlen. Auch ein „ausreichendes“ Honorar soll es laut Preis für Grippeschutzimpfungen in Apotheken geben. Die Höhe will er noch nicht verraten.

Bislang verzeichnen die Impfstoffhersteller eine spürbar größere Nachfrage nach Grippeimpfstoff – aber nur aus den Arztpraxen. Wegen der aktuellen Sorgen über die Auslastung von Intensivbetten in Krankenhäusern wegen der Corona-Krisen rechnen die Mediziner offenbar damit, dass die Impfbereitschaft im Herbst deutlich ansteigt. Im schlimmsten Fall könnten im Winter Corona- und Influenza-Patienten mit besonders schweren Verläufen um die Intensivbetten in den Kliniken konkurrieren – womit das Gesundheitssystem selbst bei einer halbwegs kontrollierten Corona-Ausbreitung schnell wieder an die Belastungsgrenze käme.

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