Grippeimpfstoffe: Preis will Apothekenhonorar reformieren

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Berlin -

Fast viermal teurer als herkömmliche Varianten ist der hochdosierte Grippeimpfstoff, den Menschen über 65 Jahren ab der kommenden Saison erhalten sollen. Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekverbands Nordrhein (AVNR), fordert daher, dass auch das Apothekenhonorar angepasst wird.

Schon bei den bisherigen Impfstoffen sei die Honorierung von 1 Euro pro Impfdosis äußert knapp kalkuliert gewesen, so Preis. Bei den neuen Hochdosisimpfstoffen reiche die im Mai 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) festgelegte Pauschale nicht ansatzweise aus, um die Kosten für Vorfinanzierung, Beratung, Lieferung, Risikozuschlag für Warenuntergang, Nichtabnahme und Retaxationen durch Krankenkassen zu decken.

Bei den jetzt laufenden Vorbestellungen der Ärzte sei mit einem Bestellanteil von 75 Prozent für den wesentlich teureren Hochdosisimpfstoff zu rechnen, so Preis. Das sei zwar angesichts der besseren Wirksamkeit zu begrüßen. Gleichzeitig werde sich aber das Einkaufsvolumen der Apotheken bei gleicher Bestellmenge mehr als verdoppeln – erst recht, wenn der Impfstoff bereits für Menschen ab 60 Jahren zugelassen und empfohlen werden.

Nach Berechnungen des AVNR gibt eine Apotheke im Durchschnitt etwa 1000 Grippeimpfstoffe pro Saison ab. Das Einkaufsvolumen würde so rechnerisch von 10.000 auf 30.000 Euro steigen. Sehr viele Apotheken lägen aber weit über diesen Durchschnittswerten, so Preis. „So werden in diesem Jahr bei recht vielen Apotheken deutlich sechsstellige Eurobeträge zu finanzieren sein. Für viele ist das wirtschaftlich nicht mehr tragbar, so dass hier dringende Unterstützung der Politik erforderlich ist“, verdeutlicht Preis. „Die Marge, die den Apotheken derzeit von der Politik zugestanden wird, sinkt so auf unter 3 Prozent. Schon jetzt zeichnet sich deutlich ab, dass die meisten Kollegen über die Vorbestellungen der Ärzteschaft hinaus kaum noch zusätzliche Impfstoffe auf gänzlich eigenes Risiko vorbestellen.“

Die Kosten würden durch diese „Mini-Marge“ nicht mehr ausreichend gedeckt. Aber gerade die auf eigenes Risiko vorbestellten Impfstoffe seien in der jetzt zu Ende gehenden Impfsaison vielerorts der Garant dafür gewesen, dass auch Ärzte mit Grippeimpfstoffen versorgt werden konnten, die überhaupt nicht vorbestellt hatten oder aufgrund der hohen Impfbereitschaft der Bevölkerung schon frühzeitig nachbestellen mussten, so Preis.

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