Teure Hochdosisimpfstoffe

Grippeimpfstoffe: Preis will Apothekenhonorar reformieren APOTHEKE ADHOC, 10.02.2021 14:07 Uhr

  • Hohe Dosis, hoher Preis, hohes Risiko: Der Apothekerverband Nordrhein fordert eine Anpassung des Apothekenhonorars bei Grippeimpfstoffen. Foto: Sanofi
Berlin -

Fast viermal teurer als herkömmliche Varianten ist der hochdosierte Grippeimpfstoff, den Menschen über 65 Jahren ab der kommenden Saison erhalten sollen. Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekverbands Nordrhein (AVNR), fordert daher, dass auch das Apothekenhonorar angepasst wird.

Schon bei den bisherigen Impfstoffen sei die Honorierung von 1 Euro pro Impfdosis äußert knapp kalkuliert gewesen, so Preis. Bei den neuen Hochdosisimpfstoffen reiche die im Mai 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) festgelegte Pauschale nicht ansatzweise aus, um die Kosten für Vorfinanzierung, Beratung, Lieferung, Risikozuschlag für Warenuntergang, Nichtabnahme und Retaxationen durch Krankenkassen zu decken.

Bei den jetzt laufenden Vorbestellungen der Ärzte sei mit einem Bestellanteil von 75 Prozent für den wesentlich teureren Hochdosisimpfstoff zu rechnen, so Preis. Das sei zwar angesichts der besseren Wirksamkeit zu begrüßen. Gleichzeitig werde sich aber das Einkaufsvolumen der Apotheken bei gleicher Bestellmenge mehr als verdoppeln – erst recht, wenn der Impfstoff bereits für Menschen ab 60 Jahren zugelassen und empfohlen werden.

Nach Berechnungen des AVNR gibt eine Apotheke im Durchschnitt etwa 1000 Grippeimpfstoffe pro Saison ab. Das Einkaufsvolumen würde so rechnerisch von 10.000 auf 30.000 Euro steigen. Sehr viele Apotheken lägen aber weit über diesen Durchschnittswerten, so Preis. „So werden in diesem Jahr bei recht vielen Apotheken deutlich sechsstellige Eurobeträge zu finanzieren sein. Für viele ist das wirtschaftlich nicht mehr tragbar, so dass hier dringende Unterstützung der Politik erforderlich ist“, verdeutlicht Preis. „Die Marge, die den Apotheken derzeit von der Politik zugestanden wird, sinkt so auf unter 3 Prozent. Schon jetzt zeichnet sich deutlich ab, dass die meisten Kollegen über die Vorbestellungen der Ärzteschaft hinaus kaum noch zusätzliche Impfstoffe auf gänzlich eigenes Risiko vorbestellen.“

Die Kosten würden durch diese „Mini-Marge“ nicht mehr ausreichend gedeckt. Aber gerade die auf eigenes Risiko vorbestellten Impfstoffe seien in der jetzt zu Ende gehenden Impfsaison vielerorts der Garant dafür gewesen, dass auch Ärzte mit Grippeimpfstoffen versorgt werden konnten, die überhaupt nicht vorbestellt hatten oder aufgrund der hohen Impfbereitschaft der Bevölkerung schon frühzeitig nachbestellen mussten, so Preis.

Da bislang nur Sanofi mit Efluelda einen entsprechenden Impfstoff im Angebot hat, warnt der Apothekerverband Nordrhein auch ausdrücklich davor, aus rein versorgungsökonomischen Gründen etwa drei Viertel der Grippeimpfstoffversorgung in der kommenden Saison durch lediglich einen Hersteller sicherzustellen. Wenn es wider Erwarten zu Produktionsverzögerungen oder sogar Totalausfällen kommt, hätte das erhebliche Auswirkungen auf eine ausreichende Anzahl an Grippeimpfungen im nächsten Jahr. „Denn nach unserer Einschätzung wäre das nicht kurzfristig durch andere Hersteller aufzufangen“, warnt Preis. „Das können wir uns vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie überhaupt nicht leisten.“

Zentrale Eckpunkte für eine verbesserte Grippeimpfstoffversorgung aus Sicht des AVNR:

  • Die seit Jahren feststehende Fix-Marge von Apothekern müsse dringend wie bei anderen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auch um einen prozentualen Zuschlag ergänzt werden, damit Finanzierungs-, Versicherungs- und Warenuntergangskosten bei steigenden Impfstoffpreisen ausreichend gegenfinanziert werden könnten. Die Honorierung sei festgelegt worden, als es nur Impfstoffe im Wert von etwa 10 Euro gab. Das habe sich jetzt geändert – Efluelda kostet 40,55 Euro.
  • Die schon im Zuge der Bestellung ausgestellten Rezepte sollen von den Krankenkassen ausreichend früh, zumindest einen Monat vor Auslieferung der Impfstoffe, den Apotheken bezahlt werden.
  • Die jetzt schon vom BMG angekündigte Bundesreserve der Impfstoffe müsse früh genug an die Apotheken ausgeliefert werden.
  • Nicht verwendete Impfstoffe, die am Ende der Impfsaison in den Apotheken lagern, seien quasi die „auf eigene Kosten der Apotheken bereitgestellte nationale Impfreserve“. In diesem Jahr drohten so etwa 1 Million Impfstoffe im Wert von 10 Millionen Euro in den bundesdeutschen Apotheken wertlos zu werden. „Dies kann so nicht bleiben. Unter der Leitung des BMG müssen hier Kostenübernahmemodelle entwickelt werden. Zumal in der nächsten Impfsaison durch die steigenden Impfstoffpreise noch höhere Lagerverluste entstehen würden.“