Unter den Bundesländern formiert sich gemeinsamer Widerstand gegen die Sparpläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Beim GKV-Gesetz soll im Bundesrat am Freitag ein zwischen allen Ländern geeinter Antrag eingebracht werden“, kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) an. MV sei für die Ostländer maßgeblich an der Erarbeitung des Antrags beteiligt.
Der federführende Gesundheitsausschuss des Bundesrates mahnte bereits unter anderem: „Die Sparmaßnahmen dürfen nicht zu einem Kliniksterben führen und in einer kalten und ungesteuerten Strukturbereinigung münden.“ Zur Konsolidierung der Finanzen der GKV müsse auch der Krankenhaussektor seinen Beitrag leisten. Durch die geplanten Maßnahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) seien aber eine „hohe Insolvenzgefahr“ und eine überproportional starke Belastung zu erwarten.
Drese kritisierte, es sei nicht vermittelbar, Versicherten und Leistungserbringern, wie etwa Krankenhäusern, Belastungen aufzuerlegen, während maßgebliche Kostenfaktoren unangetastet blieben. Das betreffe etwa versicherungsfremde Leistungen und gesamtgesellschaftliche Aufgaben.
Dazu zählen zum Beispiel die Krankenkassenbeiträge von Bürgergeld-Empfängern, die zu einem großen Teil von der Gemeinschaft der Beitragszahler aufgebracht werden. Laut Techniker Krankenkasse liegen die Beiträge des Bundes pro Person bei 144 Euro monatlich. Diese Beiträge seien viel zu gering, sie deckten nur etwa ein Drittel der tatsächlichen Kosten. Experten fordern die komplette Finanzierung aus dem Bundeshaushalt.
Das vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte BStabG soll die gesetzlichen Kassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten, um ein erwartetes Defizit auszugleichen und neue Anhebungen der Zusatzbeiträge zu vermeiden. Warken plant Ausgabenbremsen bei allen Leistungserbringern – aber etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
Der Entwurf soll am Freitag auch in den Bundestag kommen. Der Bundesrat kann zunächst Stellung dazu nehmen. Das Gesetz ist nicht zustimmungsbedürftig, die Länder könnten es aber bremsen. Auch die Ärzte machen mobil: Sie wollen heute vielerorts ihre Praxen dicht lassen oder Plätze im Wartezimmer reduzieren, um auf die Lage hinzuweisen.
Die Spar- und Reformpläne von Warken werden Drese zufolge bereits breiten Raum bei der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) in Bremen einnehmen. „Da die Unzufriedenheit der Länder über die vorliegenden Entwürfe zum GKV-Beitragsstabilitätsgesetz und zur Reform der Pflegeversicherung sehr groß ist, wurde kurzfristig diesen Themen mehr Platz auf der GMK eingeräumt, um die Diskussion auf Länderebene fortzuführen“, sagte sie.
Die Finanznöte spitzen sich inmitten der Beratungen über ein Spargesetz weiter zu. Nach vorläufigen Zahlen für das erste Quartal 2026 rechnet das Bundesgesundheitsministerium (BMG) damit, dass das Defizit im kommenden Jahr um 3,5 Milliarden Euro höher liegt als bisher prognostiziert. Das teilte das Ressort auf Anfrage mit. Zuerst berichtete „Bild“ darüber. Hintergrund ist ein deutlich stärkerer Anstieg der Ausgaben im ersten Quartal 2026 als für das Gesamtjahr 2026 angenommen.
Die Pläne von Warken zielen bisher darauf, die Kassen 2027 um etwas mehr als das bisher erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro zu entlasten. Wenn sich das Minus nun aber um 3,5 Milliarden auf 18,8 Milliarden Euro vergrößert, bliebe statt des geplanten kleinen Puffers eine neue Lücke von 2,5 Milliarden Euro.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte als Vorgabe für die Parlamentsberatungen formuliert, dass der Spar-Puffer nicht mehr kleiner werden dürfe.
APOTHEKE ADHOC Debatte