Gefälschte Zertifikate: Das sagt der Inhaber

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Berlin -

Apotheker Christian Müller-Faßbender ist fassungslos. In seiner Kaiser Apotheke in München soll eine PTA an der Fälschung digitaler Impfnachweise im großen Stil beteiligt gewesen sein. Die Nachweise lägen den Ermittlungsbehörden vor, sagt der Apotheker. Sein Betrieb sei schon länger beobachtet worden, ohne dass er davon gewusst habe. Er selbst ist nicht beschuldigt und erklärt, wie die Angestellte im Hintergrund agiert haben könnte.

Am vergangenen Freitag haben die Ermittler zugeschlagen. Diesen Tag will Müller-Faßbender nicht kommentieren. „Für uns persönlich ist es schlimm“, sagt er. Der Inhaber war selbst vor Ort, als das achtköpfige Team bestehend aus einer Staatsanwältin der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG), zwei Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) und fünf des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) in der Offizin standen.

Die Ermittler konfrontierten den Inhaber damit, dass einer seiner Angestellten vorgeworfen wird, ihren Arbeitsplatz für kriminelle Zwecke genutzt zu haben. Es handelt sich um eine PTA, die seit etwa einem Jahr für Müller-Faßbender tätig ist. Auffällig sei die Frau nicht gewesen, so der Inhaber. Anzeichen für eine Geldnot oder andere Gründe habe es nicht gegeben. „Wir konnten es nicht bemerken, weder mein Team noch ich“, sagt Müller-Faßbender. „Das hat uns auch die Polizei mehrfach bestätigt.“

Die PTA soll den Zugang zum Apothekenportal des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) unerlaubterweise weitergegeben haben. „Bei uns wurde sozusagen vermutlich die Pforte geöffnet. Dadurch konnten Hacker die Zertifikate ausstellen“, sagt der Inhaber. Vor Ort in der Apotheke seien keine Fälschungen ausgestellt worden, betont er. Deshalb habe man es auch nicht bemerken können. Die Fälscher sollen nachts zwischen 22 und 1 Uhr sowie sonntags aktiv gewesen sein.

Dem Apotheker geht es laut eigenem Bekunden schlecht. In der Pandemie engagierte er sich gemeinsam mit seinem Team. „Wir haben das Bestmögliche gegeben.“ Dass es so einfach sei, auf das System zuzugreifen, hat er nicht erwartet. „Wir haben uns doch relativ sicher gefühlt, nachdem das System an die Telematikinfrastruktur angeschlossen wurde. Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass das passieren kann.“

Müller-Faßbender steht jetzt vor einer weiteren Herausforderung. Nach Rücksprache mit dem DAV habe es geheißen, dass im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar sei, welche ausgestellten QR-Codes korrekt in der Apotheke erstellt worden seien und welche über die Hacker generiert wurden. „Der DAV kann die Falschen nicht deaktivieren, so dass wahrscheinlich alle von uns erstellten Zertifikate deaktiviert werden müssen. Ich weiß gar nicht wie ich meine Kunden informieren soll.“ Monatlich seien über die Apotheke zwischen 500 und 700 digitale Nachweise erstellt worden.

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