Datenschutz vs. Patientensicherheit

, Uhr
Berlin -

Am Freitag ist es so weit, dann tritt die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) in Kraft und überlagert das nationale Datenschutzrecht. Der Umgang mit sensiblen Daten ist Alltag in den Apotheken. Ein viel diskutiertes Thema ist die Bestellung von Therapieallergenen, die ohnehin unter das geltende Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) fällt. Hersteller sehen die Therapiesicherheit in Gefahr.

Therapieallergene sind traditionell Individualrezepturen nach § 21 Arzneimittelgesetz (AMG). Diese werden unter Weitergabe der Patientendaten beim Hersteller bestellt, individuell angefertigt und an die Apotheke zur Abgabe ausgeliefert. Für diesen Fall muss die DS-GVO beachtet werden. Für Verordnungen von Therapieallergenen, die beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine Zulassung haben und ohne Patientendaten in den Verkehr gebracht werden, ist nichts besonderes zu beachten, so Stephan Kerkojus, Geschäftsführer der Lofarma Deutschland GmbH. Denn sie können – wie jede andere klassische Arzneimittelbestellung – über den Großhandel geordert werden. Eine Übertragung von sensiblen Kundendaten findet dabei nicht statt.

Beachtung findet die DS-GVO in der Bestellung der Individualrezepturen nach § 21 AMG. Wer eine Desensibilisierung erhält, wird über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren mit der allergenspezifischen Immuntherapie behandelt. Für die Erstbestellung erhält der Patient neben dem Rezept üblicherweise auch einen herstellerbezogenen Bogen mit seinen Daten, dem herzustellenden Therapieallergen, Arztstempel und Unterschrift. Folgebestellungen erfolgen monatlich oder quartalsweise.

Apotheker und Apothekenpersonal erhalten laut Kerkojus eine zentrale Rolle als Datenschützer am Patienten. „Sie müssen Sorge tragen, dass der Patient sein Einverständnis für die Datenweitergabe gegeben hat.“ Fehlt diese, gestalte sich die Herstellung schwierig, da „die Beteiligten im Falle einer Prüfung nachweisen müssen, dass die Zustimmung durch den Patienten erteilt wurde“.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr aus Ressort
Geld für PharmDL parkt in Apotheken
20 Cent je Packung: Der unsichtbare Kredit »
Weiteres
Potenzielle Basis für neue Antibiotika
Neue antibakterielle Molekülgruppe entdeckt»
Sensitivität und Nachweisdauer
PEI hat Antikörpertests getestet»
Auffälliger Mundschutz
Rx-Pillen in OP-Maske versteckt»
„Beim Mittagessen ging es nur um Apotheke“
Ein Loblied auf die Apotheke»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»