Weizenkeime: Essen statt vergessen

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Berlin -

Studien geben Hinweise, dass ein Inhaltsstoff aus Weizenkeimen einen positiven Einfluss auf die Gehirnfunktion und Kognition hat; im Tierversuch wirkte das Polyamin der altersbedingten Demenz entgegen. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass die Substanz vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer- oder der Parkinson-Krankheit schützen kann, in dem sie den Zellabfall reduziert.

Polyamine wie Putrescin, Spermidin und Spermin kommen in allen lebenden Organismen vor und sind essentiell für ein normales Zellwachstum. Sie können die Funktionen der DNA, Nucleotide, Proteine und insbesondere RNA modulieren, da die meisten Polyamine in einem Polyamin-RNA-Komplex in den Zellen vorliegen. An Labortieren konnte vor einigen Jahren gezeigt werden, dass die Konzentration des körpereigenen Spermidins mit dem Alter abnimmt. Die Substanz bewirkte nach Verabreichung mit der Nahrung eine Verbesserung der Erinnerungsfähigkeit.

Forscher begründeten die Erkenntnis mit der sogenannten Autophagie des Spermidins. Bei dem Reinigungsvorgang auf zellulärer Ebene werden Proteinaggregate, die für die Vergesslichkeit verantwortlich gemacht werden, sowie weiterer zellulärer Abfall aufgelöst. Eine Ankurbelung dieses Selbstreinigungsprozesses könnte somit neurodegenerativen Erkrankungen vorbeugen. „Bisherige Daten lassen vermuten, dass sogenannte Polyamine, insbesondere das Spermidin, sich positiv auf die Gehirnfunktion und geistige Fähigkeiten auswirken“, sagt Professor Dr. Agnes Flöel, Direktorin der Neurologischen Universitätsklinik Greifswald.

Auch das menschliche Gehirn scheint von der Substanz zu profitieren, die außer in Weizenkeimen auch in getrockneten Sojabohnen und im Cheddar-Käse vorkommt: „Wir haben in einer eigenen kleinen Studie, die ebenso wie die jetzt laufende größere Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, die Wirkung von natürlichem Spermidin, das aus Weizenkeimen gewonnen und in Kapseln verpackt worden war, auf Lernen und Gedächtnis untersucht“, erklärt Flöel. „Wir konnten zeigen, dass sich Gedächtnisleistungen bereits nach dreimonatiger Einnahme tendenziell verbessern, bei sehr guter Verträglichkeit der Kapseln.“

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