Demenzerkrankungen

Alzheimer: Frühtest und Wirkstoffkandidat Cynthia Möthrath, 21.09.2020 12:00 Uhr

Berlin - Demenzerkrankungen sind ein stetig wachsendes Problem, denn die Gesellschaft wird immer älter. Aktuell gibt es vielversprechende Erkenntnisse aus der Forschung: Ein Bluttest soll Alzheimer erkennen können – 20 Jahre bevor erste kognitive Störungen auftreten. Für die Behandlung befindet sich zudem ein neuer Wirkstoff in der Phase-II-Testung: Der Tyrosinkinase-Inhibitor Nilotinib könnte einen neuen Therapieansatz darstellen.

Der neuartige Frühtest für Alzheimer weist Bruchstücke des Tau-Proteins nach, welches typisch für die Erkrankung ist. Tau-Proteine spielen eine wichtige Rolle für die gesunde Funktion eines Gehirns: Alzheimer beginnt, wenn normale Tau-Proteine durch Trunkation pathologisch werden – Struktur und Funktion werden verändert. Die ungesunden Tau-Proteine binden sich aneinander und es entstehen Verklumpungen, die sich im Gehirn ausbreiten und die Krankheit verursachen.

In zwei Studien konnte der Bluttest Morbus Alzheimer genauso zuverlässig erkennen wie die derzeitigen Standardtests per Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und Liquoruntersuchungen – diese kommen jedoch aufgrund ihrer Kosten und der Invasivität nicht als Screeningmethode infrage. Der Bluttest könnte daher eine wertvolle Früherkennungsmethode darstellen. Er schlägt konkret auf den Blutmarker „P-tau217“ an, ein Fragment des Tauproteins, an dessen Position 217 an die Aminosäure Threonin eine Phosphorylgruppe angehängt ist.

Bluttest kann in zwei Studien überzeugen

Die Universität Lund in Schweden hat den Test an drei Kohorten untersucht: einer Gruppe, deren Gehirne nach dem Tod der Forschung zur Verfügung gestellt wurden, einer Gruppe, in der eine genetische Variante der Erkrankung durch eine Genmutation verbreitet ist und einer Kohorte mit zu Beginn kognitiv unauffälligen Senioren. In allen Gruppen konnte der Test als sensitiver und spezifischer Marker für die Alzheimer-Diagnose überzeugen. Bei der Kohorte mit der Genmutation konnte er sogar bei noch nicht erkrankten, jungen Menschen einen Anstieg des Tauproteins ermitteln – rund 20 Jahre bevor es zu ersten kognitiven Störungen kommt.

Auch die Wa­shington University School of Medicine in St. Louis kommt zu ähnlich überzeugenden Ergebnissen: Ebenso wie in der schwedischen Studie gingen hohe Plasmawerte von „P-tau217“ mit Amyloid-Ablagerungen im Gehirn einher. Die Plasmawerte der Alzheimer-Patienten waren 2- bis 3-fach höher als bei Personen ohne Amyloid-Ansammlungen. Beide Teams sehen den Bluttest als geeignetes Hilfsmittel für die Frühdiagnose von Alzheimer an. Bevor er eingeführt wird, soll er jedoch noch weiter verfeinert und an größeren Kohorten getestet werden.

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