Verbandsgründung: Die syrischen Apotheker in Deutschland organisieren sich

, Uhr
Berlin -

Der Fachkräftemangel ist akut. Der Zuzug von Menschen, die vor dem syrischen Bürgerkrieg geflüchtet sind, scheint da immer mehr Abhilfe zu schaffen: Mehr als 2000 Apotheker aus Syrien haben mittlerweile eine Approbation, schätzt die „Syrische Gesellschaft für Ärzte und Apotheker in Deutschland“. Der Verband wurde neu gegründet und will nicht nur die Vernetzung untereinander fördern, sondern auch neu angekommenen Medizinern und Pharmazeuten beim Weg zur Anerkennung der Approbation helfen. Apotheker und Ärzte aus Syrien stellen hierzulande immer mehr selbst auf die Beine.

Der Weg zur Approbation ist schwer – das gilt noch ungleich mehr, wenn man gerade eine traumatische Flucht hinter sich hat, in einem Land ankommt, dessen Sprache man erst lernen und sich dann mit der dortigen Bürokratie herumschlagen muss. Umso mehr können Menschen mit denselben Erfahrungen helfen, Fuß zu fassen – was im Falle händeringend gesuchter qualifizierter Akademiker wie Apotheker und Ärzte umgekehrt auch der aufnehmenden Gesellschaft einen enormen Dienst erweisen kann. Der Weg in die Offizin, Praxis oder Klinik kann dadurch spürbar erleichtert oder verkürzt werden. Genau das haben die Gründer der „Syrische Gesellschaft für Ärzte und Apotheker in Deutschland“ vor.

„Mittlerweile gibt es viele syrische Apotheker in Deutschland und das Gute an unserer Gemeinschaf ist, dass wir viele hilfsbereite Leute haben, die sich gegenseitig und uns unterstützen“, sagt Gründungsmitglied Ahmad Yaser Baki. Er und seine Mitstreiter schätzen die Zahl der syrischen Apotheker in ihrem Netzwerk auf mehr als 2000. „Wir wollen vielleicht in der Zukunft auf die Abda oder die Bundesapothekerkammer zugehen und schauen, ob wir irgendwie Zahlen erheben können, wie viele es genau sind.“

Baki ist einer der geschätzt 2000. Seit sechs Jahren ist er in Deutschland, an seiner Sprache merkt man aber kaum, dass er nicht schon viel länger hier lebt: Das Vokabular ist exakt, die Grammatik nahezu fehlerfrei. Dabei musste auch er sich durchbeißen. „Ehrlich gesagt war es am Anfang nicht leicht. Es war sehr viel Bürokratie. Die erste Zeit war nicht besonders schön, man hätte es leichter machen können“, erzählt er. „Ich musste erst eine Sprachprüfung ablegen und es war sehr schwer, die Fachsprache zu lernen. Ich habe dann ein Jahr Praktikum in einer Apotheke in Wuppertal gemacht, da hat mir ein deutscher Kollege geholfen und mir viel vermittelt.“ Er hat es geschafft, seit März 2019 hat er die deutsche Approbation und arbeitet nun fest angestellt in der Pinguin-Apotheke in Wuppertal.

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Neuer Service „Mitarbeitergesundheit“
Apotheke stellt Gesundheitsmanager ein »
Immer mehr gefälschte Impfnachweise
Polizeipräsident lobt Apotheken »
Mann bricht durch Schaufenster
Einbrecher verblutet fast in Apotheke »
Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots»