2013 geflohen, heute selbstständig

Ziel erreicht: Gebürtiger Syrer übernimmt Apotheke

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Berlin -

2013 floh Apotheker Mammo Asaad. Per Auto und Lkw, über die Türkei und Griechenland hat er sich nach Deutschland durchgekämpft. Zum vergangenen Jahreswechsel hat er sein Ziel erreicht: Wieder eine eigene Apotheke führen. Inhaberin Stefanie Ruwe, bei der Asaad bereits zuvor knapp drei Jahre arbeitete, übergab ihm die Schlüssel der Apotheke am Holter Kirchplatz in Schloß Holte-Stukenbrock. In der nordrheinwestfälischen Stadt nahe Bielefeld ist der Apotheker nun komplett angekommen.

Vorgängerin Ruwe eröffnete vor etwa 24 Jahren die Apotheke am Holter Kirchplatz und betreibt nun noch ihre ehemalige Filiale im nahegelegenen Eckardtsheim. Nicht nur weil Ruwe die beiden Apotheken mit der Zeit zu viel wurden, gab es nun diesen Wechsel: Seit Asaad nach Deutschland kam, hatte er den Plan, wieder eine eigene Apotheke zu betreiben und hat dieses Ziel seit seinem Start im Jahr 2021 in Ruwes Apotheke verfolgt. „Das war schon von Anfang an klar, dass ich das übernehmen will“, sagt der heutige Inhaber.

Eine eigene Apotheke führte der gebürtige Syrer bereits in seiner Heimat Al-Hasaka nach seiner Approbation. Und auch hier war sein Weg nicht ganz einfach: „Ich habe im Norden Syriens gelebt, Pharmazie studieren war nur im Süden möglich“, berichtet Asaad. „Viele junge Syrer sind damals zum Studieren in die Ukraine.“ Das bot sich auch für ihn an: Von 1995 bis 2001 studierte er also in Saporischschja. Nach seinem Abschluss musste er sich die ukrainische Approbation aber erst anerkennen lassen, bevor er seine Apotheke 2002 eröffnen konnte.

In Deutschland angekommen, versuchte er nach dem Start im Flüchtlingsheim so schnell wie möglich, wieder als Apotheker arbeiten zu können. Es folgten Sprachkurse und Tests, erst Anstellungen als Praktikant, dann als Apotheker unter Aufsicht. Zu der Zeit lebte Asaad mit der über die Ukraine nachgekommenen Familie in Freiburg. Seit 2019 hat er nun seine deutsche Approbation und arbeitete unter anderem in Bremen – weit weg von der Familie in Freiburg, die erstmal dort blieb, bis der künftige Wohnort geklärt war. Denn in Bremen klappte es nicht mit der Stelle mit anschließender Apothekenübernahme.

„Wir sind wie eine Familie“

„Jetzt bin ich sehr glücklich“, sagt Asaad zur finalen Übernahme der Apotheke in Schloß Holte-Stukenbrock. Auch seine aus der Ukraine stammende Frau und die drei Kinder sind inzwischen nachgezogen, die jüngste Tochter ist acht Jahre alt. Für die Apotheke ändere sich erstmal nichts. Das Team wurde übernommen, gewusst hat es lange nichts von seinen Übernahmeplänen. „Ich habe sie eine Woche überlegen lassen, ob sie bleiben wollen. Ich bin glücklich, alle übernommen zu haben. Wir sind wie eine Familie.“

In Deutschland musste sich Asaad in einem „total anderen System“ zurechtfinden. Im Vergleich hätten beide Systeme ihre Vorteile gehabt: „In Syrien gab es weniger Bürokratie. Und wir waren wie Ärzte und Apotheker gleichzeitig“, erzählt er. „Man konnte noch mehr mit den Kunden reden und auch Diagnosen stellen. Sie sagen auch ‚Herr Doktor‘.“ Der Grund hierfür ist allerdings weniger positiv: Auch vor 20 Jahren gab es kein Gesundheitssystem, dass die Menschen absicherte. Ärzt:innen mussten privat bezahlt werden, weshalb die Apotheken Anlaufpunkt für viele waren, so Asaad. „In Syrien war zwar alles lockerer, aber auch komplizierter mit noch mehr Verantwortung. Hier ist es sicherer.“

Den Traum immer vor Augen

Dass er Apotheker werden würde, war für Asaad schon sehr früh klar: „Ich war in der fünften oder sechsten Klasse – da war es mein Hobby, einfach irgendwelche Packungen zu nehmen und die Dosierung draufzuschreiben. Das war einfach immer mein Wunsch.“ Er liebt die menschliche Komponente des Berufes und ist auch abseits der Apotheke da. „Ich helfe einfach gerne.“

Asaad versorgt seine Kund:innen nun nicht nur auf Deutsch und Arabisch, sondern kann aus seiner Studienzeit auch Russisch, was ihm nun bei den aus der Ukraine Geflüchteten von großem Vorteil ist. Wie eine erfolgreiche Integration funktioniert? „Von Anfang an, seit 2013 habe ich immer auf mein Ziel hingearbeitet. Jeder muss etwas machen für das Land, bin ich der Meinung. Wir helfen, das Land voranzubringen“, so Asaad. „Wenn man ein Ziel hat im Kopf, dann bleibt das Ziel.“ Deutschland möchte er nicht wieder verlassen.

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