Apotheker warnen: Es ist fünf vor eins!

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Berlin - Das Apothekenhonorar wird gemütlich in einer Langzeitstudie untersucht, die Fahrer der Großhändler krebsen am Existenzminimum und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will seine Schwarzgeldspührhunde in die Offizin schicken – und am liebsten auch noch in die darüber liegenden Privatgemächer des Apothekers. Zeit für eine Kampagne. Weil die Apotheker wissen, was die Stunde geschlagen hat, trägt diese den einprägsamen Titel: „Es ist fünf vor eins!“

Die Umstellung auf die Sommerzeit ist jedes Jahr in etwa so nervig wie die nützlichen Servicetipps zum Umgang damit. Zuletzt war zu erfahren, man möge ab Gründonnerstag jeden Tag zehn Minuten früher schlafen gehen, um sich schonend umzustellen. Hilfreich für diejenigen unter uns mit einer festen Zubettgehzeit. Für den Rest ist es in diesem Jahr nicht ganz so schlimm, weil das lange Osterwochenende größere Freiheitsgrade bei der Schlafplanung gewährt.

Und weil am Dienstagmorgen trotzdem der ein oder andere Kunde wahlweise nach Koffein- oder Schlaftabletten fragen wird, ist die Fünf-vor-eins-Kampagne so genial. Da selbst die Atomkriegsuhr aktuell auf „3 Minuten vor 12“ steht und im Berliner Lobbyistensprech auch die Formulierung „5 nach 12“ reichlich abgegriffen ist, stellen die Apotheker die Uhr um. Nur so lässt sich der Ernst der Lage richtig veranschaulichen: 12:55.

12,81 Euro pro Stunde würde der Kleinspediteur Ronald Michutta benötigen, damit sich sein Geschäft weiterhin lohnt. Bekommt er aber nicht, sondern 10,80 Euro. Weil er seinen Fahrern Mindestlohn zahlt, ist er regelmäßig in der Verlustzone. Seit zehn Jahren fährt er als Sub-Sub-Unternehmer für die Noweda Arzneimittel aus, ein Gebietsspediteur sitzt noch dazwischen. Wenn er jetzt seine Fahrzeugflotte auf GDP-genormte Kühlwagen umrüsten muss, wird für Michutta Schluss sein. Der Fall zeigt eindrucksvoll, warum sich die Politik mit der Berechnung einer gerechten Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) nicht zu viel Zeit lassen darf.

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