Noweda-Spediteur fährt am Existenzlimit

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Berlin - Seit zehn Jahren fährt Kleinspediteur Ronald Michutta Arzneimittel für die Noweda in und um Berlin aus. Demnächst könnte damit Schluss sein. Das Fuhrunternehmen Michutta steht kurz vor der Aufgabe. „Das Geld reicht hinten und vorne nicht“, klagt der Unternehmer. Und jetzt soll er noch neue GDP-Lieferwagen kaufen. Der Spediteur weiß nicht, wie er das finanzieren soll.

So wie Michutta geht es vielen Kleinspediteuren. Seitdem die EU mit ihren Richtlinien zur Guten Distributionspraxis (GDP) die Vorgaben für den Arzneimitteltransport verschärft hat, geraten immer mehr selbständige Logistiker unter Druck. Die Kosten steigen, weil der Fuhrpark umgerüstet werden muss. Auf der anderen Seite sind Großhändler nicht bereit, mehr für die Touren zu bezahlen. Im Gegenteil: Wegen der gesunkenen Spritpreise hat Noweda im Raum Berlin seit Jahresbeginn die Treibstoffpauschale um einen Cent gekürzt. Bei 30.000 Kilometer, die Michutta für Noweda mit seinen Mitarbeitern monatlich herunterspult, sind das 300 Euro weniger – mehr als er verkraften kann.

Denn streng gerechnet fährt Michutta ohnehin am Limit, in manchen Monaten sogar darüber hinaus – mit Verlust. „Seit zwei Jahren lebe ich von meiner Pension“, so Michutta, der früher einmal für die Deutsche Post gearbeitet hat, bevor er sich selbständig machte. Gewinn wirft sein Geschäft nur noch selten ab.

Über seinen Gebietsspediteur erhält Michutta von der Noweda für jeden gefahrenen Kilometer je nach Fahrzeuggröße zwischen 18 und 25 Cent. Für seine Fahrer kommen noch einmal 18 Cent pro Minute dazu. Das macht pro Stunde 10,80 Euro. Davon muss Michutta seinen Fahrern den Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen sowie Kranken-, Pflege-, Renten und Arbeitslosenversicherung. Einschließlich Insolvenzumlage und Berufsgenossenschaft summieren sich nach Michuttas Kalkulation die Arbeitskosten aber auf 11,11 Euro.

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