Hasse: Kriegskasse gegen Retaxationen | APOTHEKE ADHOC
Rheinland-Pfalz

Hasse: Kriegskasse gegen Retaxationen

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Berlin -

Anlässlich seiner Wiederwahl zum Vorsitzenden des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz (LAV) hat Theo Hasse die Apotheker aufgefordert, gegen jede Retaxation Einspruch einzulegen. Beim LAV stehe ein „Kampffonds“ zur Unterstützung rechtlicher Schritte bereit, sagte Hasse zu APOTHEKE ADHOC. Der Fonds ist derzeit mit 60.000 Euro gefüllt.

„So wie die Kassen uns kreuzigen, müssen wir zurück kreuzigen, dass sie an den Einsprüchen ersticken“, sagte Hasse: „Die Willkür der Kassen kennt keine Grenzen.“ Darauf müssten die Apotheker mit einem „breiten Kreuz“ reagieren, sagte Hasse in seinem Rechenschaftsbericht: „Wer glaubt, dass wir uns zu Sklaven der Krankenkassen machen lassen, der verkennt unseren eigentlichen apothekerlichen Auftrag.“ Er frage sich, was passieren würde, wenn alle Apotheken nicht korrekt ausgestellte, mangelhafte Rezepte an die Verordner zurückschicken würden.

Der „Kampffonds“ von derzeit 60.000 Euro steht laut Hasse allen Apothekern des Verbandes offen, die sich gegen Retaxationen wehren wollten. Die Geschäftsstelle in Mainz prüfe zunächst die Erfolgsaussichten eines Widerspruchs und leiste dann finanzielle und rechtliche Unterstützung.

Bereits vor einem Jahr monierte Hasse auf der Mitgliederversammlung, dass die Apotheker umzingelt von Dienstleistern seien, die Retaxationen verschickten und damit ihr Geld verdienten. „Das ist offenbar ein einträgliches Geschäft“, kritisierte der LAV-Vorsitzende damals.

LAV-Vize Bernhard Pohlmann sprach sich dafür aus, dass im Anschluss an die bevorstehende Entscheidung der Schiedsstelle zum Thema Retaxationen der komplette Rahmenvertrag neu verhandelt werden sollte. Hier gebe es Vieles neu oder feiner zu regeln.

Die Mitgliederversammlung wählte Hasse für die Amtsperiode 2016 bis 2020 erneut zum Vorsitzenden. Der Apotheker aus Zerf führte bereits die vergangenen vier Jahre den Wirtschaftsverband an. Hasse verantwortet die strategische Ausrichtung des Verbandes und damit die Ressorts Wirtschafts-, Sozial und Standespolitik. Auf Bundesebene führt er zusätzlich den Vorsitz des Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA).

Auch Pohlmann wurde auf der Position des 2. Vorsitzenden bestätigt. Der Apotheker aus Hamm ist im Verband verantwortlich für den großen Bereich der GKV-Verträge und damit für die Verhandlungen sowie für alle weiteren Tax- und Krankenkassenfragen. Zusätzlich leitet Pohlmann den Schlichtungsausschuss.

Als 3. Vorsitzender wurde der Landauer Apotheker Andreas Hott bestätigt, der ebenfalls bereits in der vergangenen Legislaturperiode dem Vorstand angehörte. Hott unterstützt die Vorstandsarbeit durch intensive Kontakte zum Apothekenrechenzentrum ARZ Darmstadt und zu dessen Softwarehaus CIDA. Er arbeitet ebenfalls im Schlichtungsausschuss mit und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit.

Mit Dr. Jan-Niklas Francke wählten die Mitglieder des Verbandes auf die Position des 1. Beisitzers ebenfalls einen Apotheker, der bereits in der vergangen Periode dem Vorstand angehörte. Der Emmelshausener Pharmazeut verantwortet für den Verband die Bereiche Seminare und Fortbildungen und kümmert sich um die Weiterentwicklung der Mitgliederbetreuung.

Neu in den Vorstand wurde die Wormser Apothekerin Petra Engel-Djabarian gewählt. Sie war bereits einige Jahre Mitglied des sogenannten „Erweiterten Vorstands“ des Verbandes und übernimmt nun mehr Verantwortung auf der Position der 2. Beisitzerin des regulären Vorstands. Zu Kassenprüfern wurden die Apotheker Jürgen Brüggemann und Mathias Klose gewählt.

Laut Hasse ist die ordnungsgemäße Versorgung sichergestellt. Eine rechtskonforme, nun aber vertraglich verbindliche Regelung sei mit dem zuständigen Ministerium und im Schulterschluss mit der Landesapothekerkammer verhandelt und stehe kurz vor einem Abschluss. „Das bringt uns bei der Versorgung höhere Rechtssicherheit“, so Hasse.

Francke berichtete über einen Apothekenrückgang in den vergangenen fünf Jahren von über 7 Prozent in Rheinland-Pfalz vor. Dies seien etwa 2 Prozentpunkte mehr als der Bundesdurchschnitt. Der Organisationsgrad im LAV sei aber nicht gesunken, so Francke. Jede fünfte Apotheke im Bundesland sei mittlerweile eine Filiale.

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