Spiegel kritisiert Hilfsmittelverträge | APOTHEKE ADHOC
Inkontinenzhilfen

Spiegel kritisiert Hilfsmittelverträge

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Berlin -

Hilfsmittelverträge sind für Apotheker ein Ärgernis: Seit langem warnen sie, dass Patienten zunehmend drauf zahlen müssten. Die AOK Bayern hat jüngst ihre monatliche Pauschale gesenkt, und auch in Baden-Württemberg liegt diese auf „Dumpingpreis“-Niveau, so der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV). Noch deutlich weniger zahlt laut Spiegel die DAK Gesundheit. Für viele Versicherte bedeute das aber Mangelware von minderer Qualität – und in der Konsequenz die Wahl zwischen Wundliegen und Draufzahlen.

Insgesamt rund 1,5 Millionen Kassenpatienten erhalten laut Herstellerverband BVMed Windeln oder Einlagen auf Rezept. Bei Patientenorganisationen würden sich Beschwerden und Hilferufe stapeln, schreibt der Spiegel. Immer häufiger kämen die Kassen ihrem gesetzlichen Auftrag nicht nach, „eine ausreichende Versorgung mit Inkontinenzprodukten sicherzustellen“, sagte Stefan Süß, Vorstand beim Selbsthilfeverband Inkontinenz, dem Magazin. Darunter seien besonders Versicherte der DAK, regionaler AOKen und auch großer Ersatzkassen.

Die 20-jährige Maike Riegler etwa, versichert bei der AOK Bayern, habe nach einem Anbieterwechsel seit Dezember statt den notwendigen mindestens sechs Windeln nur noch vier erhalten. Der Lieferant sei lange nicht erreichbar gewesen, irgendwann habe er mitgeteilt, dass die Pauschale der Kasse nicht mehr ausreiche.

Gegenüber dem Spiegel sprach die AOK von einem Einzelfall und gab den Ball weiter an die Konkurrenz: Es seien nämlich vor allem die Ersatzkassen, die auf Ausschreibungen setzten, um „ihre Preise weit unter das bestehende Niveau am Markt“ zu drücken.

Seit August läuft der Vertrag zwischen AOK Bayern und Bayerischem Apothekerverband (BAV) zur aufsaugenden Inkontinenzversorgung. Die Pauschale liegt seitdem mit 25 Euro um 25 Prozent niedriger. Inklusive sind umfassende telefonische Beratung und falls notwendig persönliche Beratung und Einweisung beim Versicherten zu Hause oder zum Beispiel im Krankenhaus. Nur wenn die Patienten auf eine „über das Maß des Notwendigen hinausgehende Versorgung“ bestehen, können ihnen Mehrkosten in Rechnung gestellt werden.

Die DAK Gesundheit schließt ihre Verträge im Marktsegment mittlerweile nicht mehr mit Apothekern. Erst im Oktober hat die Kasse mit elf Anbietern neue Verträge vereinbart und zahlt den Lieferanten dem Spiegel zufolge knapp 13 Euro.

Auch Irmgard Weiß berichtet von einer schlechteren Versorgung: Ihr Mann bekommt wegen der neuen Verträge viel dünnere Windeln als zuvor. Diese würden ständig auslaufen, kritisiert die Rentnerin. Sie müsse nun zusätzlich Baumwollvlies aus der Drogerie kaufen und die Windeln damit polstern.

Gegenüber dem Spiegel verwies die Kasse auf die Hersteller: Es habe beim Wechsel der Anbieter Probleme vor allem in Bayern und Baden-Württemberg gegeben. Die Kasse nehme jeden Fall sehr ernst und wolle nun dafür sorgen, dass die Lieferanten künftig immer für Beschwerden erreichbar seien. Denn auch hier habe es Probleme gegeben.

Apotheker warnen seit langem davor, dass die Pauschalen den eigentlichen Bedarf nicht abdecken: So reiche dem Spiegel zufolge auch bei dem 17-jährigen Lukas Schneider, der seit seiner Geburt inkontinent ist, die Leistung der Kasse nicht aus. Seit November zahlten die Eltern jeden Monat 120 Euro dazu, damit der Sohn nicht mit laut knisternden und viel zu dünnen Windeln in die Schule gehen müsse.

Ein „Sparwahn mit System“, titelt der Spiegel. Das Magazin zitiert den Unionsfraktionsvize Dr. Georg Nüßlein: Der sieht darin einen Missstand, der manchen Kassen vermutlich ganz recht komme. Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), sagt dem Magazin: „Es kann nicht sein, dass etwa aus wirtschaftlichem Gründen die Bedürfnisse und Schamgefühle der Betroffenen missachtet werden.“ Im Notfall, sagt er, müssten sich Versicherte an das Bundesversicherungsamt als die Aufsichtsbehörde der Kassen wenden.

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