Assistierte Telemedizin

Francke: „Einige hundert“ Apotheken zum Start

, Uhr
Berlin -

Neue Angebote brauchen Zeit – dass dies auch für die seit dem 1. Juli mögliche assistierte Telemedizin (aTM) gilt, zeichnete sich schnell ab. Patient:innen sollen unter bestimmten Voraussetzungen in die Apotheken kommen können, um hier mit Hilfe der Approbierten in einem separaten Raum mit einem Arzt sprechen zu können. Doch das Angebot muss erst einmal anrollen, wie Dr. Jan-Niklas Francke, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), betont.

Zum aTM-Start am 1. Juli lieferte Francke der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Infos zum neuen Angebot in den Apotheken. Dieses solle vor allem den Menschen dienen, die die von Ärzten angebotenen Videosprechstunden nutzen möchten, technisch aber nicht fit genug sind. Daher sollen im Rahmen der aTM die Apotheker:innen helfen, aber nur bis das Sprechstunde startet. „In dem Moment, in dem die Sprechstunde startet, führen Sie die dann alleine durch – es sei denn, Sie brauchen Hilfe“, erklärt Francke aus Patientensicht.

Versicherte müssten dafür ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK) einlesen lassen, erklärt die dpa. Aber auch private Krankenversicherungen (PKV) würden die Leistung übernehmen. „Die Gesundheitskarte ist noch aus einem anderen Grund wichtig: Bekommt man in der Videosprechstunde ein Medikament verordnet, kann man es als E-Rezept nach dem Termin direkt in der Apotheke einlösen“, heißt es hierzu.

Auch „dringende Fälle“ sollen von dem Angebot profitieren. „Es kommen ja Menschen mit vermeintlich leichten Beschwerden in die Apotheke. Fragt man dann weiter nach, merkt man manchmal, dass ein gesundheitliches Problem dahinterstecken könnte, das ärztlich abgeklärt werden sollte.“ Auf dem Land oder wenn die Praxis schon geschlossen ist, könne dann aTM weiterhelfen. „In solchen Fällen wollen wir ermöglichen, unmittelbar einen Arzt zu erreichen, um abzuklären, ob es ein Notfall ist.“

„Einige Wochen bis wenigen Monate“

Doch bis diese Lösung wirklich in der Versorgungsrealität angekommen ist, könnte es noch etwas dauern. Auch Francke geht von „einigen Wochen bis wenigen Monaten“ aus, bis das Angebot aufgebaut ist – auch weil Apotheken dafür erst einmal das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten im Umkreis suchen müssten, um Details dieser Zusammenarbeit zu klären.

aTM-Such-Funktion via Apoguide

Laut Francke werden zu Beginn „einige hundert“ Apotheken am Start sein. Patient:innen sollten sich daher erst mal an ihre Stammapotheke wenden, um zu erfahren, ob diese sich beteilige. Zudem könne man online nachschauen, ob eine Apotheke assistierte Telemedizin anbietet: Über Gedisa-Portal Apoguide sollen „Interessierte nach Apotheken filtern können, die dieses Angebot machen. Ab wann das möglich sein wird, ist aber noch nicht bekannt“, heißt es abschließend.

Die Verbändetochter hat sich für ihr eigenes aTM-Angebot mit dem Anbieter Arztkonsultation (ak) zusammengetan. Den Apotheken soll diese Partnerschaft den Einstieg in die neue Leistung erleichtern, hieß es kürzlich vom Unternehmen. Die Gedisa stellt dabei über ihr Apothekenportal die digitale Infrastruktur zur Verfügung, die telemedizinische Expertise soll vom Partnerunternehmen kommen. Ein Roll-out der Lösung sei im Verlauf des Monats geplant.

Noch Mitte Juni tappten die Verbände bei dem Thema im Dunkeln. Klar ist, dass die Leistung mit immerhin 30 Euro vergütet wird und sich mit pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) kombinieren lässt. Doch auch wenn das Digitalgesetz (DigiG) bereits vor mehr als zwei Jahren verabschiedet und das Thema damit gesetzt wurde, wurde die Vorbereitungszeit offenbar kaum genutzt. Bei Apotheker- und Ärzteverbänden gab es Mitte Juni noch wenig Bewegung, mit der aTM zu starten.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr zum Thema
Digitale Versorgungsassistenz
Hausarztpraxis im Rucksack
Mehr aus Ressort
Neuen Funktionen für Versicherte
ePA: Erste OTC-Einträge ab Mitte Juli

APOTHEKE ADHOC Debatte