Massiver Vorsprung für Teleclinic

DocMorris bald in Apotheken?

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Berlin -

Ab Juli soll es losgehen mit Videosprechstunden in Apotheken. Doch während die Umsetzung der assistierten Telemedizin (aTM) in den Apotheken akribisch geregelt wurde, fehlen technische und vor allem strategische Konzepte. Am Ende könnte ausgerechnet Versender DocMorris profitieren – und über seine Tochterfirma Teleclinic in die Apotheken kommen.

Von den Räumlichkeiten über das Personal und die Technik bis hin zur Abrechnung: Wie die aTM durchzuführen ist, ist im neuen Rahmenvertrag bis ins letzte Detail geregelt. Doch Apotheken, die direkt einsteigen und die Leistung für anfangs immerhin 30 Euro anbieten wollen, brauchen nicht nur Vorgaben, sondern auch Lösungsangebote. Dazu gehört vor allem eine funktionierende Plattform, auf der im besten Fall bereits eine relevante Anzahl an Ärztinnen und Ärzten angeschlossen ist.

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) gibt es derzeit 32 zertifizierte Videodienstanbieter. Dazu gehören spezialisierte Unternehmen wie Arztkonsultation, Jameda, KEJ Digital Care Solutions, Profession Fit und Expertyme mit jeweils gleich mehreren unterschiedlichen Formaten. Auch Anbieter von Praxisverwaltungssystemen sind dabei, darunter CompuGroup Medical (CGM), Doctolib und Zollsoft. Und auch die Gedisa-Tochter Apomondo ist mit Docmondo am Start.

Was den meisten Anbietern aber noch fehlt, sind Ärztinnen und Ärzte, die bereits an die Lösung angebunden sind. Die beste Technik nützt nichts, wenn auf der anderen Seite niemand ist, der die Leistung auch tatsächlich erbringen kann.

Wenn die Kundin oder der Kunde nicht warten soll, braucht es also eine gewisse Anzahl an Medizinern, die auf Abruf bereitstehen und innerhalb kurzer Zeit einen Anruf aus der Apotheke entgegennehmen können.

Vorsprung für Teleclinic

Und hier kommt derzeit im Grunde nur ein Anbieter in Frage – und zwar die DocMorris-Tochter Teleclinic. 6500 Ärztinnen und Ärzte sind nach Firmenangaben mittlerweile angebunden, zwei Millionen Behandlungen wurden demnach allein im vergangenen Jahr erbracht, so viele wie in den Jahren zuvor insgesamt – und 26 Millionen Euro umgesetzt.

Der Versender hatte das Start-up vor sechs Jahren übernommen, und zwar für einen schwindelerregenden Kaufpreis von 46,8 Millionen Franken. Kasse machten damals neben Firmengründerin Katharina Jünger auch Investoren wie die Eigentümerfamilie des Phytoherstellers Dr. Willmar Schwabe, GHD-Gründer Andreas Rudolph und Reinhard Koop, Großaktionär bei CGM.

Trotz teils massiver Abschreibungen auf den Kaufpreis hat sich die Übernahme für DocMorris als Glücksgriff erwiesen. Denn dank zahlreicher Partnerschaften ist das Unternehmen breit im Geschäft. Eine Kooperation gibt es unter anderem mit dem ADAC, Rahmenverträge gibt es mit zahlreichen AOKen und BKKen sowie weiteren Krankenkassen. Darüber hinaus stellt Teleclinic seine Technik als „Whitelabel-Lösung“ zur Verfügung: Das Unternehmen liefert die Software etwa an Kassen wie TK und DAK und steht damit als Dienstleister hinter den Videosprechstunden in deren Apps. Ähnlich funktioniert die Zusammenarbeit im ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen: Bei KVN.akut spricht zunächst ein Telearzt mit dem Patienten, bevor der Fahrdienst der Johanniter tatsächlich ausrückt.

Kommt Teleclinic also bald in Apotheken? „Die assistierte Telemedizin ist ein wichtiger Baustein für eine niedrigschwellige Patienten- und Primärversorgung. Wir sind davon überzeugt, dass die Einbindung digitaler Gesundheitsangebote neue Möglichkeiten bietet, um die Rolle der Apotheke als Gesundheitsdienstleister weiter zu stärken“, sagt Geschäftsführer Benedikt Luber. Aktuell analysiere man unter Berücksichtigung der regulatorischen Rahmenbedingungen die vereinbarten Leistungen. „Konkrete Aussagen können wir daher Stand heute noch nicht treffen.“

Auch wenn im Alltag längst immer wieder Rezepte von Teleclinic auftauchen: In vielen Apotheken dürfte die Vorstellung für Entsetzen sorgen, dass sie künftig mit einem Tochterunternehmen von DocMorris zusammenarbeiten sollen.

Kassen- vs. Privatarzt

Beobachter geben zu bedenken, dass das Unternehmen womöglich noch gar nicht für dieses Thema aufgestellt sei. So zählten zu den ausgewiesenen Medizinern wohl auch viele Privatärztinnen und -ärzte, die mangels Kassenzulassung für die aTM gar nicht in Frage kommen. Weder bei der eigenen Videosprechstunde, bei der es häufig um das Ausstellen von Rezepten für Lifestylepräparate an Selbstzahler geht, noch bei den Terminen für die Kassen, die direkt abgerechnet werden, kommt es auf einen Vertragsarztsitz an.

Außerdem umfasst die Gesamtanzahl laut einem Branchenkenner auch Kolleginnen und Kollegen, die nur stundenweise pro Woche für Teleclinic tätig sind. „Ich denke, Teleclinic ist derzeit ausgelastet mit den bestehenden Kooperationen.“

Ein anderer Experte weist darauf hin, dass es bei aTM auf Hausärztinnen und Hausärzte ankomme. Und die seien derzeit allgemein mit ihrem Praxisbetrieb stark ausgelastet und im Bereich der Telemedizin noch ein „rares Gut“. Am Ende könnte es also tatsächlich darum gehen, dass die Apotheken selbst die umliegenden Mediziner auf die Reise mitnehmen.

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