Hilfe in der Not: Schnapsbrenner beliefern Apotheken

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Berlin - Brauereien und Spirituosenhersteller stehen eigentlich nicht im Ruf, einer gesundheitsfördernden Branche anzugehören. Doch wie so viele Gewissheiten hat die aktuelle Corona-Krise auch diese über Bord geworfen: Das Who-is-Who der deutschen Alkoholika-Industrie engagiert sich derzeit in der Bekämpfung der Engpässe bei Desinfektionsmitteln. Hunderte Apotheken werden bereits direkt aus Brennereien beliefert.

Vielleicht überlegen sich manche bald zweimal, ob sie schlechte Witze über alkoholfreies Bier machen – im Moment ist es nämlich äußerst nützlich für viele Apotheken und Kliniken: Die Großbrauerei Beck’s in Bremen nutzt den überschüssigen Alkohol aus der Entalkoholisierung, um selbst Desinfektionsmittel herzustellen und diese nun zu verkaufen. Andere Hersteller von alkoholischen Getränken stellen zwar nicht selbst her, greifen Apotheken und Kliniken in Deutschland derzeit aber entgeltlich und unentgeltlich kräftig unter die Arme.

Jägermeister zum Beispiel: Der Hersteller des weltberühmten Kräuterschnapses mit der dunklen Vergangenheit hat der Krankenhausapotheke des Klinikums Braunschweig 50.000 Liter Ethanol zu Herstellung von Desinfektionsmitteln geschenkt. „Wir haben verstanden, dass es an der Stelle offensichtlich einen hohen Bedarf gibt“, erklärt der Mehrheitseigentümer Florian Rehm. Weitere 50.000 Liter kommen vom Chemieunternehmen KWST. Die Apotheke kann nun kräftig herstellen: „Die Produktion ist eine Premiere und der aktuellen Notlage geschuldet. Mit der eigenen Produktion stellen wir sicher, dass das Klinikum Braunschweig erst einmal mit Desinfektionsmittel versorgt ist“, sagt Klinikchef Andreas Goepfert.

Aber auch Vor-Ort-Apotheken besorgen sich ihren Ethanol zunehmend direkt von den Brennereien. „Wir beziehen nun reines Ethanol auch von der Spezialitäten-Destillerie Abtshof“, zitiert die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) Jens-Andreas Münch, Inhaber der Nordpark-Apotheke und Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt. Abtshof ist vor allem für seinen Absinth und seine Kräuterliköre bekannt. Der Einkauf in der Brennerei ging dabei von Münch aus, er hatte bei Abtshof angefragt. „Wir bekommen keine großen Mengen, doch es reicht, um Engpässe in Apotheken im Raum Magdeburg zu überbrücken“, so Münch. Die Brennereien seien von den Anfragen überrascht worden. „Die Hersteller haben zwar die Kapazitäten ausgeweitet, doch die Logistik kommt mit der Versorgung noch nicht nach.“

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