„Maskomat“ von Flavura

Atemschutz statt Kaffee: Automatenhersteller sattelt um

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Viele Unternehmen und ganze Branchen müssen derzeit umsatteln, weil der eigene Absatz wegbricht oder der Bedarf anderweitig zu groß ist: Da nähen zum Beispiel Theater Atemschutzmasken oder Schnapsbrennereien verkaufen Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln. Ähnlich erging es dem Berliner Unternehmen Flavura, das eigentlich Snack-, Eis-, Kaffee- oder Getränkeautomaten baut und verkauft. Doch die Orte, an denen die meist stehen – Behörden, Fitnessstudios oder Schwimmbäder beispielsweise – sind größtenteils geschlossen. Entsprechend gering ist der Bedarf nach Neuanschaffungen.

Also hat sich Geschäftsführer Holger Ballwanz Gedanken gemacht, was im Moment gebraucht wird und in einen Automaten passt: Atemschutzmasken. „Ich habe selbst bereits im Januar herumtelefoniert, weil ein Kunde zehntausende Masken wollte“, erzählt er. Da sei ihm die Idee gekommen, selbst in das Geschäft einzusteigen. Mittlerweile ist der Bedarf explodiert – ein passendes Gerät zu konstruieren, war keine große Schwierigkeit. „Das Hauptproblem ist nicht der Automat, sondern die Masken“, sagt Ballwanz.

Das sei jedoch mittlerweile so gut wie gelöst – Ballwanz konnte zwei seriöse Lieferanten ausfindig machen, auf die Verlass ist, einer in Deutschland und einer in China. Mit einem sei er eine längerfristige Kooperation eingegangen, sodass der Nachschub sichergestellt ist. „Wir können einen Automaten samt Masken innerhalb von drei bis vier Tagen liefern“, versichert er. In den passen dann rund 100 FFP2- oder 60 FFP3-Masken. „Das ist aber die kleine Version, an einer größeren arbeiten wir bereits.“ Auch mit den derzeit gängigen OP-Masken könne der Apparat bestückt werden. Und vor allem für Apotheken sei der „Maskomat“ – so der Produktname – interessant, sagt Ballwanz.

Denn in Apotheken müssen nicht nur besonders hohe Infektionsschutzmaßnahmen eingehalten werden, sondern sie sind für viele Menschen auch der Bezugspunkt für Schutzausrüstung wie Atemmasken. Eventuell Infizierte kommen also in die Offizin, um sich dort eine Maske zu kaufen, und verteilen gerade dadurch das Virus. „Für die Apotheken ist der Automat deshalb ein Riesenvorteil“, so Ballwanz. „Sie können ihn draußen an die Wand schrauben, haben dadurch einen zusätzlichen Absatzkanal und jeder, der eine Maske braucht, kann sie sich schon holen, bevor er die Apotheke betritt.“ Außerdem führe das zu einer Zeit-, Personal- und Kostenersparnis für die Offizin. „Es ist eine Win-Win-Situation für Kunden und Apotheker.“

Der Automat könne nicht nur an der Wand befestigt, sondern auch aufgestellt und im Boden verankert werden. Rund 100 Stück produziere Flavura bereits für die erste Auslieferung: Am Dienstag sind sie mit dem Angebot auf den Markt gegangen und ohne größere Werbemaßnahmen seien bereits in den ersten Tagen 40 Bestellungen eingegangen. Ob der Kunde den Automaten mit oder ohne Masken haben will, müsse allerdings vorher abgesprochen werden. Aktuell gebe es drei Pakete: mit 100, 500 und 1000 OP-Schutz-Masken. FFP2- und FFP3-Masken seien nach persönlicher Vereinbarung nur in größeren Stückzahlen erhältlich.

Ballwanz rechnet bereits damit, die Produktion bald noch weiter hochfahren zu müssen. Denn nicht nur habe er schon Großaufträge in Aussicht – er rechnet auch fest damit, dass sich Atemschutzmasken in den kommenden Monaten noch weiter normalisieren. Dass Sachsen als erstes Bundesland bereits eine generelle Maskenpflicht im Einzelhandel und im öffentlichen Personennahverkehr beschlossen hat, stützt seine Vermutung. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Beschränkungen des öffentlichen Lebens im Mai schon vorbei sind“, sagt er. „Ich kann kann mir auch vorstellen, dass die Automaten irgendwann flächendeckend im ganzen Land stehen.“

 

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