Kuck kündigt Besuch an

„Weil ich am Noweda-Stand eine Wurst gegessen habe“

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Berlin -

Noch zwei Wochen, dann ist es so weit: Nur der Kommissionierer und die Inneneinrichtung müssen noch rein, dann hat es Thomas Grittmann (fast) geschafft. Mit 28 Jahren baut der Pharmazeut sich eine eigene Offizin auf. Für die Zeit nach der Eröffnung hat sich bereits hoher Besuch angekündigt: Noweda-Chef Michael P. Kuck will vorbeikommen und Grittmanns Betrieb persönlich in Augenschein nehmen.

Die To-do-Liste wird immer kürzer: Die Fliesen sind drin, das PVC verlegt, die Elektrik ist fertig, die EDV ebenso, die Deckenbeleuchtung ist installiert und die Sanitärendmontage abgeschlossen. Auch vor der Apotheke hat sich Grittmann nochmal ausgetobt: An einem Tag hat er mit einer Handvoll Kumpels den Bereich vor dem Eingang gepflastert und drei Fahrradständer einbetoniert. Und dann kommen noch die Pflanzen, er begrünt die Flächen rings um das Gebäude. „Damit die Park-Apotheke auch aussieht wie ein Park“, sagt er.

Doch nicht nur an den Namen denkt er, sondern auch an seine Mitarbeiter. Für die hat er hinter dem Gebäude eine Sitzecke samt Tisch gebaut. „Da können sie sich in der Mittagspause draußen hinsetzen und wir können da auch Meetings machen.“ Selbst die erste Endreinigung ist drinnen schon gemacht worden, denn ab Montag wird es ernst. „Dann kommen zwei Riesen-Lkw, einer von Gollmann, einer vom Schreiner.“ Anderthalb Wochen werden die Mitarbeiter der Firmen voraussichtlich an der Inneneinrichtung tüfteln, die Gollmann-Leute haben acht Tage für den Einbau des Kommissionierers angesetzt. „Die Lösung mit den Liftschächten ist wohl etwas kompliziert und auch nicht ganz alltäglich“, So Grittmann.

Doch nicht nur der Einbau wird seinem Terminkalender zu schaffen machen, zeitgleich geht auch der Fortbildungsmarathon los. „Ab nächster Woche hat das ganze Team fast jeden Tag eine Schulung“, erklärt er. Zweimal ist Awinta dran, einmal Gollmann, zweimal gibt es Kosmetik. Schulungen mit Korres und Unifarco und dann ist noch ein Termin für Avie eingeplant. Denn Grittmann hat sich entschlossen, dort Mitglied zu werden.

„Das kam durch einen befreundeten Kollegen zustande“, sagt er. Als er in dessen Ellwanger Apotheke war, um sich den Kommissionierer anzuschauen, habe der ihn auf die Vorzüge der Mitgliedschaft in der Kooperation hingewiesen. „Dem vertraue ich, da weiß ich, dass der mir nichts aufschwatzen will.“ Das wichtigste Argument sei dabei für ihn die Freiheit gewesen, die Avie ihm lässt. „Das ist anders als in anderen Kooperationen, wo du nach außen kommunizieren musst, dass du zum Clan gehörst“, erklärt er. „Ich will autark sein, auch in der Wahrnehmung, sonst hat das immer so ein Geschmäckle. Die Kunden denken bei den anderen oft, das wäre eine Kette, das will ich nicht.“ Ausschlaggebend sei außerdem der Außendienst gewesen: Zu seinem Systemberater habe er ein ausgezeichnetes und vertrauensvolles Verhältnis. „Der schreibt mir sogar manchmal abends um elf noch und fragt, ob ich an dies und jenes gedacht habe.“

Da Apotheken bekanntermaßen nicht nur kooperieren, sondern auch konkurrieren, ist der junge Pharmazeut schon einmal bei den Mitbewerbern vorstellig geworden. Drei weitere Apotheken gibt es in Miltenberg, zu allen ist Grittmann in den letzten Tagen gepilgert, hat sich als der Neue in der Nachbarschaft vorgestellt und die Kollegen zur Eröffnung in zwei Wochen eingeladen. „Da war alles gut“, erinnert er sich. „Ich wurde kein bisschen schräg beäugt oder so. Einige haben sogar erzählt, dass sie mein Projekt bei APOTHEKE ADHOC selbst mitverfolgen.“

Doch nicht nur die Kollegen kündigen sich bereits an, auch von anderer prominenter Stelle hat er bereits Zusage erhalten: Noweda-Chef Michael P. Kuck will die Offizin im September in Augenschein nehmen will. Dabei ist Grittmann noch nicht einmal Noweda-Mitglied. Trotzdem wird es nicht das erste Mal, dass die beiden sich begegnen.

Denn Grittmann hat vergangenes Jahr auf der Expopharm eine neue Bekanntschaft gemacht. „Ich stand da am Noweda-Stand und habe eine Currywurst gegessen, als mich ein Herr angesprochen hat“, erinnert er sich. Die beiden kamen ins Gespräch. Es ging um die Branche und Grittmanns Pläne, eine Apotheke zu eröffnen, als er merkte, dass sich langsam mehr Leute um ihn versammeln und dem Gespräch lauschen. „Bis mir jemand sagt, dass das der Big Boss von der Noweda ist! Klar, kannte ich den Namen, aber ich wusste doch nicht, wie er aussieht!“

Am Ende des Gesprächs lud Kuck ihn dann zur Noweda-Hauptversammlung ein. Er fuhr nach Essen und die beiden trafen sich wieder. „Er fand das toll, dass da so ein junger Kerl wie ich ist, der voll Bock auf eine Apotheke vor Ort hat.“ Außerdem fragte er, ob er ihn als Anekdote in seiner Rede erwähnen dürfe – durfte er natürlich. Grittmann fühlt sich davon geehrt. „Ich stehe voll hinter der Idee von Noweda“, sagt er. Nun also lässt Kuck den Kontakt nicht abreißen, im September will Grittmann ihm stolz seine nagelneue Offizin zeigen. „Und das alles nur, weil ich am Noweda-Stand eine Wurst gegessen habe.“

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