Nur ein Vial pro Praxis – Brandbrief an die Ärzte

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Berlin -

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat ihre Mitglieder aufgerufen, in der nächsten und übernächsten Woche mit Comirnaty zuvorderst Zweitimpfungen durchzuführen – für Erstimpfungen könne jeweils nur ein Vial bestellt werden. Der Führung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen ist daraufhin der Kragen geplatzt: In einem Brandbrief an ihre Mitglieder beklagt sie die Benachteiligung der Praxen durch die Politik und fordert die Ärzte auf, verstärkt auf AstraZeneca zu setzen.

Dass es in den kommenden beiden Wochen eng wird mit den Comirnaty-Impfungen, liegt laut KV nicht nur daran, „dass noch bis Ende Mai die Lieferungen des Impfstoffs von Biontech an uns weiter lächerlich niedrig bleiben“, sondern auch daran, dass die Impfzentren weiter betrieben und bevorzugt mit diesem Impfstoff beliefert würden. „Das hat dann auch nichts mehr mit einem Miteinander für den Patienten, sondern mit einem Gegeneinander mit unfairen Regeln zu tun“, so der KV-Vorsitzende Frank Dastych und sein Vize Dr. Eckhard Starke in dem Rundschreiben, das APOTHEKE ADHOC vorliegt. Das gelte besonders auch deshalb, weil nun die Gefahr bestehe, dass der vorgeschriebene Abstand von sechs Wochen zwischen Erst- und Zweitimpfung ansonsten überschritten würde.

Um das Impfschema gewährleisten zu können, sollen die Ärzte bei Ihren Bereitstellungen für die dritte und vierte Maiwoche jeweils an der Referenzwoche sechs Wochen zuvor orientieren und dabei das Zweitimpfungsrezept nutzen, da es für die in dieser Zeit formal keine individuelle Höchstbestellmenge geben wird. So hatte es kurz zuvor auch schon die KBV empfohlen. Aufgrund der prioritären Belieferung für Zweitimpfungen des Biontech-Impfstoffs werde es so allerdings folgerichtig in den letzten beide Mai-Wochen kaum Reserven für Erstimpfungen mit diesem Impfstoff geben, so die KV Hessen nun. Aus Berlin sei zu hören, dass kaum mehr als ein Vial pro Praxis dafür zu erwarten sei.

„Uns ist bewusst, dass das natürlich in erster Linie all die Praxen umfasst, die solidarisch erst einmal gewartet haben, bevor sie mit dem Impfen angefangen haben. Jetzt trifft es diese Praxen das zweite Mal“, so Dastych und Starke. „Hier rächt beziehungsweise bestätigt sich die von uns immer kritisierte Politik, bei der das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und vor allem gewisse, an ihren Impfzentren klebende Landesregierungen die Regelversorgung quasi zum Resteverwerter gemacht haben. Schlimmstenfalls erleben wir sogar die oben beschriebene Situation, dass in unseren Praxen Zweitimpfungen ausfallen, während die Impfzentren lustig weiter Erstimpfungen durchführen.“

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