NRW

Norditropin-Rezeptfälscher unterwegs

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München -

In Nordrhein-Westfalen (NRW) ist aktuell ein Rezeptfälscher unterwegs. Vor seiner Masche warnen sich die Kollegen zwischen Rhein und Ruhr. Auch der Amtsapotheker unterstützt die Inhaber, damit sie nicht auf den teuren Betrug hereinfallen.

In mehreren Fällen hat es sich so zugetragen: Telefonisch wurde zunächst das Wachstumshormon Norditropin Flexpro 15mg/1,5ml (N1) bestellt. Verkaufspreis: 4776,01 Euro. Die Fertigspritzen sollten dann später abgeholt werden. Kurz vor Ladenschluss erneuter Anruf, dass der Abholer im Stau stehe und gleich da sei. Tatsächlich erschien der mutmaßliche Rezeptfälscher kurz nach Ladenschluss, um die Verordnung für seine Mutter einzulösen.

Doch bei der Prüfung des Rezeptes fiel in einer Apotheker auf, dass es die vermeintliche Patientin aus Iserlohn im Sauerland gar nicht gibt. Laut Rezept ist sie bei der DAK Gesundheit versichert. Auch die aufgedruckte Arztnummer gehört eigentlich einem anderen Arzt der Praxisgemeinschaft. Der vermeintliche Verordner benutzt einen anderen Arztstempel.

Der versuchte Betrug ist unter anderem in einer Dülmener Apotheke aufgefallen. Dort werden normalerweise gar keine Bestellungen zu Hochpreisern mehr angenommen. Diese werden nur noch auf Vorlage eines Rezepts bestellt. Ausnahmsweise hatte ein Auszubildener die Bestellung aber doch telefonisch angenommen.

Der Kunde kam später tatsächlich: „Gott sei Dank fielen meinen Mitarbeitern einige Unregelmäßigkeiten auf“, sagt der Inhaber gegenüber APOTHEKE ADHOC. Daher wurde das Rezept nicht beliefert. Der apothekeninterne QM-Prozess für Hochpreiser verlange ein 6-Augen-Prinzip. Der betroffene Arzt schaltete die Kriminalpolizei ein.

Der Apotheker verfasste ein Warnschreiben an die Kollegen, das unter anderem vom Amtsapotheker verbreitet wurde. Zwei Apotheken in Olfen und Dülmen meldeten sich, bei denen der mutmaßliche Rezeptfälscher ebenfalls vorstellig geworden war. Leider waren die Apotheken jeweils auf den Betrug hereingefallen. In Werl soll eine Apotheke schon im Dezember mit diesem Trick hereingelegt worden sein.

Für den – beinahe – betroffenen Apotheker stellt sich erneut die Frage nach dem Umgang mit Hochpreisern: „Die Apotheke dürfte die einzige Branche sein, von der verlangt wird, derart teure Artikel zu einem unterirdisch niedrigen Aufpreis zu händeln“, sagt er. Die Forderungen der Krankenkassen nach weiterer Abstriche sei obszön. Er würde sich wünschen, dass die Standesführung hier aktiv werden würde.

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