Grippeimpfstoffe: Plötzlich Ladenhüter

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Berlin -

Erst der Ansturm, dann die Impfstoffe: Bei der Grippeimpfung gab es – allen Vorwarnungen zum Trotz – in diesem Jahr massive Probleme. Die nationale Reserve des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) wurde zu spät ausgeliefert mit der Folge, dass viele Apotheken nun auf nicht benötigten Impfstoffen sitzen.

Bei einer aposcope-Umfrage gab nur noch jeder fünfte Teilnehmer an, dass die Nachfrage nach Grippeimpfstoff derzeit „sehr hoch“ oder „hoch“ ist (21 Prozent). „Eher hoch“ finden weitere 18 Prozent die Nachfrage. Auf der anderen Seite gab entsprechend eine Mehrheit von 58 Prozent an, dass es kaum noch Bedarf gibt: 24 Prozent sehen eine „eher niedrige“ Nachfrage, 14 Prozent eine „niedrige“ und 21 Prozent eine „sehr niedrige“ Nachfrage.

Zwei von drei befragten Apotheker*innen und PTA (63 Prozent) haben in ihrer Apotheke noch Imfpstoff vorrätig, fast ein Viertel (24 Prozent) davon 100 Dosen oder mehr. 53 Prozent der Befragten fürchten, dass sie auf Grippeimpfstoffen sitzen bleiben werden.

Besonders kritische bewerten übrigens die Inhaber die Situation: 84 Prozent finden, dass es kaum noch Nachfrage gibt. Und 68 Prozent fürchten, dass sie auf bestellter Ware sitzen bleiben werden.

An der aposcope-Umfrage nahmen am 18. und 19. Dezember 300 verifizierte Apotheker*innen und PTA teil.

Weil wegen der Corona-Pandemie mit deutlich höherer Nachfrage gerechnet wurde, hatte das BMG im Frühjahr 6 Millionen Dosen zusätzlich bestellt, sodass die Gesamtzahl bei 26 Millionen liegt. „So viele Impfdosen standen noch nie zuvor in Deutschland für die Grippeimpfung zur Verfügung“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Er wies darauf hin, dass im vergangenen Jahr lediglich 14 Millionen Dosen verimpft wurden – und damit aktuell fast doppelt so viele Dosen erhältlich seien.

Allerdings wurde die Reserve erst ab Ende November ausgeliefert, sodass die Ärzte, die ihre vorbestellte Ware bereits ab Oktober verimpft hatten, ihre Patienten vertrösten mussten. Durch ein besseres Konzept in Sachen Logistik und Kommunikation hätten die Engpässe vermieden werden können, waren 84 Prozent der Teilnehmer einer aposcope-Umfrage Ende November überzeugt. Insbesondere der Umgang mit der nationalen Reserve war nach Ansicht von neun von zehn Befragten absolut intransparent. Spahns Krisenmanagement rund um die Verteilung von Grippeimpfstoffen hielten 78 Prozent für unzureichend.

Laut der letzten Meldung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) waren bis Ende November rund 25 Millionen Dosen freigegeben worden. Was es mit dem Rest auf sich hat, ist nicht bekannt.

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