Stornierte Grippeimpfstoffe: HAV schaltet Ministerium ein | APOTHEKE ADHOC
Nationale Reserve nicht in Sicht

Stornierte Grippeimpfstoffe: HAV schaltet Ministerium ein

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Berlin -

Noch Ende Oktober war man beim Hessischen Apothekerverband (HAV) sicher, dass alle Menschen, die sich gegen Grippe impfen lassen wollen, auch geimpft werden können. Doch das hat sich offenbar geändert: Nachschub an Impfstoff sei nicht in Sicht, vielmehr gehe der Großhandel dazu über, Nachbestellungen zu stornieren. Verbandschef Holger Seyfarth hat sich nun ans Gesundheitsministerium gewendet.

Laut HAV sind Nachbestellungen von Grippeimpfstoffen mittlerweile kaum mehr möglich. Gut eine Million Dosen hätten die Arztpraxen zu Jahresbeginn bei den Apotheken vorbestellt, ein Teil davon sei bereits an die Praxen geliefert worden. Weitere Impfdosen befänden sich aber noch im „anspruchsvollen Freigabe- und Logistikprozess“.

„Die hessischen Apotheken konnten noch bis November kleinere Mengen an Impfstoffen über den HAV nachbestellen“, erklärt Seyfarth. Auch die Großhändler hätten bislang noch Vorbestellungen angenommen. Doch dies sei nun vorbei: „Nunmehr wurden diese Nachbestellungen durch einige Großhändler storniert“, so Seyfarth. „Die Erwartung, dass über die vorbestellten Mengen hinaus noch Impfstoff in den Markt gelangt, scheint hier nicht mehr gegeben.“

Die Erfahrungen decken sich mit denen von Kollegen aus ganz Deutschland. Schon vor Wochen hatten die Großhändler die Bestellungen aufgenommen – mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass die Kunden schnell sein sollten, um noch etwas zu kriegen. Eine Apothekerin berichtet, dass Fluzone bereits ausgeliefert wurde, Vaxigrip Tetra in französischer Aufmachung dagegen nicht. Eine Nachbestellung zu Influsplit Tetra sei abgesagt worden mit dem Angebot, stattdessen eine reduzierte Menge Flucelvax zu ordern. Eine Erklärung, wann die Ware kommt beziehungsweise wie viel Impfstoff noch verfügbar ist, gibt es nicht. Die Zeit läuft: Anfang Dezember reißt das Interesse an der Grippeimpfung erfahrungsgemäß ab.

Seyfarth wandte sich nun an Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne): „Wir müssen wissen, welche Reserven an Grippeschutzimpfdosen für Hessen aktuell noch verfügbar sind.“ Sollte der hessische Gesundheitsdienst über eigene Reserve verfügen, stünden die Apotheken in den Gemeinden mit ihrer hervorragenden Logistik bereit, deren Verteilung zu übernehmen.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass in Bayern mehr als einer halben Million Impfdosen gebunkert wurden. Nach massivem Protest der Hausärzte wurde vereinbart, dass diese Vorräte über die Apotheken verteilt werden sollen. Unklar ist der Verbleib der nationalen Reserve, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angeschafft hatte. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte vor zwei Wochen erklärt, dass Vaxigrip Tetra in französischer Aufmachung und Fluzone in US-Aufmachung bestellt werden können.

 

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