550.000 Dosen: Apothekerin fürchtet um eigene Bestellungen

, Uhr
Berlin -

In Bayern hat die Staatsregierung – zusätzlich zur nationalen Reserve – eigene Vorräte an Grippeimpfstoff angelegt: 550.000 Dosen. Die sollen jetzt auf den Markt geworfen werden. Apothekerin Sylwia Spaniel fürchtet, dass sie dadurch auf ihren bereits bestellten, aber noch nicht ausgelieferten Impfstoffen sitzen bleibt.

Laut Spaniel ist die diesjährige Saison so chaotisch verlaufen wie noch nie: „Niemand weiß, wann er etwas erhält.“ Die Frühjahrbestellung der Ärzte habe sie erhalten und sofort ausliefern können. Jetzt warte sie auf 300 Impfstoffdosen, die sie im September bestellt habe: „Kein kann mir sagen, wann die geliefert werden.“ Die Apothekerin vermutet, dass dies auch mit den Reserven Bayerns und des Bundes zusammenhängen könnte. Jetzt sorgt sie sich, dass sie auf dieser Bestellung sitzen bleiben könnte: „Bis die Lieferung kommt, könnten sich die Ärzte bereits über die bayerische Reserve versorgt haben.“

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hatte die Ärzte befragt, wie viele Dosen sie noch benötigen. Gesundheitsministerin Melanie Huml erklärte dazu: „Die Abfrage der KVB hat gezeigt, dass aktuell rund 3500 Arztpraxen mindestens noch rund 430.000 Grippe-Impfstoffdosen für ihre Patienten benötigen. Die Auswertung der KVB ist noch nicht ganz abgeschlossen. Aber das bisherige Ergebnis dieser Abfrage zeigt: Die von Bayern vorausschauend zusätzlich beschaffte Grippe-Impfstoffmenge ermöglicht die Deckung des abgefragten großen Bedarfs. Jetzt geht es darum, die benötigte Impfstoffmenge über die Apotheken an die Ärzte zu verteilen.“

Die Ärzte wurden aufgefordert, die für ihre Patienten noch benötigte Menge an Grippeimpfstoff aus der zusätzlichen Reserve des Freistaats bestellen, und zwar bei ihren Apotheken mit Hilfe eines speziellen Formulars der KVB. Dies hatten KV, Apothekerverband und Krankenkassen vereinbart.

Der von Bayern im Sommer zusätzlich beschaffte Impfstoff werde derzeit von den Herstellern gelagert. Huml: „Das bayerische Gesundheitsministerium hat über eine halbe Million Impfdosen zusätzlich für Bayern gekauft, als die Ärzte ihre Bestellungen bereits getätigt hatten. Dadurch haben wir es geschafft, dass zusätzlicher Impfstoff für die bayerischen Bürgerinnen und Bürger in großer Menge zur Verfügung steht. Klar ist: Der vom bayerischen Gesundheitsministerium besorgte Impfstoff wird in Kürze und damit rechtzeitig vor dem Höhepunkt der Grippewelle, der üblicherweise im Januar beziehungsweise Februar ist, für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen. Denn eine Grippeimpfung ist auch im Dezember noch sinnvoll.“

Laut Huml ist die Grippe-Impfsaison ist noch in vollem Gange. Die Auslieferung von weiteren Impfstoffen in Bayern laufe derzeit und sei noch nicht abgeschlossen, dies soll innerhalb der nächsten Wochen erfolgen. Der Prozess, dass die Grippeimpfstoffe nicht auf einmal ausgeliefert würden, sondern sich die Auslieferung schrittweise über den Herbst und auch den Winter erstrecke, sei durchaus üblich, so Huml: „Auch in den vergangenen Jahren wurde ebenso verfahren.“

 

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Apothekerin warnt vor Verteilungskampf um Impfstoff
Comirnaty-Bestellungen um 50 Prozent gekürzt »
Mehr aus Ressort
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Spahns Songs für den Zapfenstreich »
Versicherung, Personal, sonstige Impfungen
Corona-Impfung: Was Apotheken jetzt schon tun können »
Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots»