Approbation und Betriebserlaubnis weg

Gammel-Rezeptur, Zwangsschließung und Berufsverbot

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Die Apothekerin hat das sogar eingeräumt. Sie habe angenommen, alles richtig gemacht zu haben. Das Gericht sah dagegen eine erhebliche Verletzung der Berufspflichten, da die Apothekerin die Gesundheit von Patienten in Gefahr gebracht habe. Wenn sie tatsächlich nicht wisse, dass bei der Abgabe von Medikamenten gegen Leukämie die Vorschriften strikt einzuhalten seien, sei das mindestens grob fahrlässig. „Die Unkenntnis dieser Regelungen führt bereits dazu, die Eignung zur Führung einer Apotheke zu verneinen“, so der Beschluss. Die Pharmazeutin habe die Echtheit der Rezepte entweder bewusst nicht geprüft, was einen sehr sorglosen Umgang mit Arzneimitteln offenbare, oder ihr fehle das Fachwissen für eine richtige Einschätzung. Beides würde aus Sicht der Richter einen Entzug der Betriebserlaubnis rechtfertigen.

Zumal sich die Apothekerin nicht besonders einsichtig zeigte und angab, sie könne nicht in jedem Fall die Approbation eines Arztes nachprüfen. „Sie hat offenbar immer noch nicht verstanden, dass chinesische Rezepte grundsätzlich nicht eingelöst werden dürfen und dass es der Prüfung einer Approbation deswegen nicht bedarf“, konstatieren die Richter.

Und dann gab es noch den Dopinghandel vor Ort: Nach Feststellungen der Staatsanwaltschaft hatte die Apothekerin zwischen Dezember 2014 und Februar 2017 in 273 Fällen insbesondere Testosteron zu Dopingzwecken an Kunden abgegeben. Die Privatrezepte hatte ein Augenarzt ausgestellt, teilweise auch erst nachträglich. Ihrer Ausrede, der Arzt behandele damit die Augenprobleme mit Diabetes, glaubten die Richter nicht. Den überwiegend jungen Männern aus der Bodybuilderszene wurden auch Benzodiazepine, Schlaftabletten und Schmerzmittel verkauft.

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