Der Beitrag der Kassen zum Engpass

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Berlin -

Wer ist Schuld, dass die Grippeimpfstoffe fehlen? Wie konnte es so weit kommen, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen Versorgungsmangel ausrufen muss, damit die Vakzine über Umwege beschafft und Patienten immunisiert werden können? Die Ärzte nicht, die Apotheker nicht, die Hersteller nicht, die Politik nicht – und die Kassen schon gar nicht! Tatsache ist jedoch, dass beispielsweise die AOK Niedersachsen Ärzte angehalten hatte, mit Vorbestellungen zurückhaltend zu sein. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland Pfalz (KV) warnte die Kollegen vor nicht allzu langer Zeit vor ausufernden Kosten.

Grippeimpfstoffe sind für Ärzte, Apotheken und Hersteller jedes Jahr eine Herausforderung: Wird zu wenig bestellt, drohen Engpässe. Ordern die Praxen jedoch zu viel, bleibt am Ende nur die Entsorgung. In der Vergangenheit konnte der finanzielle Schaden über Rabattverträge zumindest ein Stückweit ausgeglichen werden. Doch Ausschreibungen sind seit vergangenem Jahr Geschichte.

So fürchteten die Kassen, dass unnötige Mengen bestellt werden könnten. Auch die AOK Niedersachsen sah Mehrkosten auf sich zukommen und gab im Rahmen ihrer „Arzt Partner Beratung“ eine Empfehlung an die Mediziner. Darin hieß es: „Ausschließlich die tatsächlich benötigte Menge darf verordnet werden. Vorbestellungen sind in möglichst geringer Stückzahl zu tätigen.“ Ärzte sollten daher nicht die Gesamtmenge für die kommende komplette Impfsaison bestellen. Empfohlen wurde, Verordnungen „bedarfsgerecht in mehreren Schritten“ vorzunehmen. Ärzte sollen weitere Vakzine erst verordnen, „wenn die vorrätigen Mengen nahezu verbraucht sind“. Die Menge an Grippeimpfstoffen solle auf einem einzigen Verordnungsblatt dem jeweiligen monatlichen Bedarf der Arztpraxis angepasst sein. Gegebenenfalls könne auch mehrfach im Monat nachbestellt werden.

Die Kasse erklärte ihren Appell an die Ärzte mit einem möglichen finanziellen Schaden: „140.000 zu viel bestellte Impfstoffe verursachen jährlich etwa 1,7 Millionen Euro unnötige Kosten für die gesetzlichen Krankenversicherungen. Dies sind vermeidbare 12 Prozent aller Impfdosen.“ Die Kasse verwies zudem darauf, dass Apotheken und Hersteller zurückgegebene Impfdosen vernichten, weil aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung jeder Impfstoff nur in einer Saison zur Anwendung kommt.

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