Schon zweimal umgestellt: Rentnerin verzweifelt wegen Valsartan

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Berlin - Maria Schulte aus Welver hat eine schlaflose Nacht hinter sich. Seit mehr als zehn Jahren wird die 68-Jährige mit Valsartan behandelt; nach der ersten Rückrufwelle im Juli wurde sie erst auf Codiovan (Novartis) und dann auf das Mylan-Generikum umgestellt. Gestern Abend erfuhr die Rentnerin durch Zufall, dass auch dieses Präparat wahrscheinlich mit einem Nitrosamin verunreinigt ist. Sie sieht nun Politik und Kassen in der Pflicht.

Als im Juli bekannt wurde, dass Valsartan-Präparate mit dem Nitrosamin N-Nitrosodimethylamin (NDMA) verunreinigt sind, startete eine weltweite Rückrufwelle. In Deutschland mussten mehr als ein Dutzend Hersteller ihre betroffenen Arzneimittel zurückrufen. Als sicher galten die Präparate von Novartis, Mylan und TAD. Knapp vier Monate später wies das Labor der Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic N-Nitrosodiethylamin (NDEA) in Präparaten von Mepha nach. Der zu Teva gehörende Hersteller hatte die aktive Substanz aus der indischen Produktionsstätte von Mylan bezogen. Ob deutsche Präparate ebenfalls verunreinigt sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Einem Insider zufolge ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Rückrufe würden für den heutigen Abend oder morgen früh erwartet.

So lange bleiben Verunsicherung und Angst. „Die Patienten wissen nicht, woran sie sind“, klagt Schulte, die sich eigentlich nicht so schnell verunsichern lässt. „Ich lebe nicht von heute auf morgen, sondern will noch ein paar Jahre vor mir haben. Darum achte ich auf mich und will nicht aus Unwissenheit krank werden.“ Durch Zufall hatte Schulte gestern die Meldung zum möglicherweise verunreinigten Valsartan von Mylan gelesen. Aber nicht jeder Patient habe Internet und könne sich informieren, so die Rentnerin, die zehn Jahre lang mit Valsartan Hexal 80 mg behandelt und in Folge der ersten Rückrufe auf das Original umgestellt wurde. Vor drei Wochen war die Packung aufgebraucht und es wurde auf das Mylan-Produkt geswitcht.

„Viele wissen gar nichts davon“, ärgert sich Schulte. Die Medien seien gefragt, alle Patienten zu informieren, sobald klar sei, welche Arzneimittel in Deutschland betroffen sind. Dann gehöre das Thema auch in die Nachrichten. Ärgerlich findet sie, dass zwischen Ankündigungen und Rückrufen so viel Zeit vergehe. So werde nur unnötig Angst geschürt.

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