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ARD „Fakt“: Valsartan, Rückrufwelle und Schadenersatz

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Berlin -

Verunsicherung und Angst machten sich im Sommer breit, als die Valsartan-Bombe platzte. Etwa 900.000 Patienten sollen mit dem Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten behandelt worden sein. Valsartan-haltige Arzneimittel wurden aufgrund von Verunreinigungen mit Nitrosaminen zurückgerufen. „Fakt“ zeigt Patienten, die mit betroffenen Arzneimittel behandelt wurden und wie die Chancen im Falle einer Strafanzeige stehen.

Hof ist das erste Reiseziel der Reporter. Sechs Jahre hatte ein Privatversicherter Valsartan zu 160 mg eingenommen. Der Patient macht sich Sorgen um seine Gesundheit, weil er nicht weiß, inwieweit er selbst direkt betroffen ist. Fragen wie: Wie hoch ist die Verunreinigung? Welche Auswirkungen hat sie?, kommen auf. Auskünfte bekomme man keine, so der Betroffene, weder von der Politik noch von der Pharmaindustrie.

17 deutsche Generikahersteller wurden vom chinesischen Lohnhersteller mit dem verunreinigten Valsartan beliefert. Der Patient hat Strafanzeige gegen den deutschen Hersteller gestellt, denn dieser hafte für die Qualität des Produktes. Der Betroffene behalte sich das Recht vor Schadensersatz zu verlangen, „wenn nachgewiesen werden kann, dass dieses Medikament, das ich seit 2012 einnehme, an einer eventuellen Krebserkrankung schuld ist.“

Der Fachanwalt für Medizinrecht Heiko Melcher sieht für die betroffenen Patienten Chancen gegen die Pharmaunternehmen vorzugehen. Vorausgesetzt man habe eine Rechtsschutzversicherung und könne nachweisen, wie lange verunreinigte Valsartan-haltige Arzneimittel schon eingenommen werden.

Zweite Station ist im Schwarzwald. Eine 80-Jährige wurde drei Jahre lang mit Valsartan behandelt. Auch sie strebt eine Schadensersatzklage an, denn im März wurde ein Nierenzellkarzinom diagnostiziert. Eine Krebserkrankung, die mit Nitrosaminen in Verbindung gebracht wird. Die linke Niere wurde inzwischen entfernt.

Das Team um den Pharmakologen Professor Fritz Sörgel hat etwa 95 Sartan-haltige Arzneimittel untersucht – viele von ihnen waren unbelastet. Die Risikoeinschätzung ist laut Sörgel schwierig, aber die Patienten haben ein Anrecht darauf zu wissen, was sie über Jahre eingenommen haben. In der letzten Zeit wurden jedoch auch Verunreinigungen in anderen Sartanen nachgewiesen, die als Alternative zum Valsartan genutzt wurden. Neben NDMA wurde mit NDEA ein zweites Nitrosamin identifiziert sowie zwei weitere Verunreinigungen, die jedoch nicht schädlich für den Menschen sein sollen. „Wir wissen ja zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht im Entferntesten, wo die Verunreinigungen herkommen und warum die da drin sind. Das sind alles Dinge, die jetzt auf die Tagesordnung müssen“, so Sörgel.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat erste Konsequenzen aus dem Valsartan-Skandal angekündigt. Laut Gesetzentwurf sollen die obersten Bundesbehörden – sprich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – über Kontrollen in Drittstaaten informiert werden. Für die Kassen ist ein Regressanspruch gegenüber den Herstellern bei Rückrufen vorgesehen. Die Patienten bleiben auf der Strecke, Vorsorgeuntersuchungen und Ähnliches sind derzeit kein Thema.

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