Mahnbrief zur Sonder-PZN

Apotheker macht „Spielchen der Kassen“ öffentlich Tobias Lau, 24.05.2019 09:06 Uhr

Berlin - Manchmal hilft nur die Flucht nach vorn: Apotheker Matthias Hoffmeister hat ein Schreiben der AOK Bayern auf Facebook veröffentlicht, weil er den Umgang der GKV mit seiner Apotheke nicht mehr hinnehmen will. „Ich habe keine Lust mehr darauf und will den Patienten zeigen, welche Spielchen die Kassen hier mit uns spielen“, so der Inhaber der Dreisessel-Apotheke in Neureichenau. Die AOK hatte ihn und vielen anderen Kollegen über die Verwendung der Sonderkennzeichen informiert und Retaxationen angedroht, falls die Sonder-PZN künftig ohne gute Begründung aufgedruckt wird.

Nicht lieferbar, nicht verfügbar, gerade nicht da, wir wissen nicht, wann es wieder reinkommt. Die sich zuspitzende Situation der Lieferengpässe macht den Apothekern bundesweit das Leben schwer. Und dann müssen noch alle Rabattverträge beachtet werden und der Patient irgendwie versorgt werden – was für alle Beteiligten das Wichtigste sein sollte. Wenn die Kassen dann überstreng mit der Umsetzung ihrer Verträge werden, kann auf Apothekerseite der Kragen schon mal zu eng werden.

So erging es Matthias Hoffmeister mit der AOK Bayern. Die schrieb ihm: „Im Abrechnungszeitraum 2018 wurden von Ihnen 250 Arzneimittel im Wert von 7311 Euro als nicht-lieferfähig abgegeben, ohne dass eine Meldung über die Nichtverfügbarkeit durch den Hersteller vorlag.“ Die Kasse behalte sich künftig auch die retrospektive Prüfung der Arzneimittelverordnungen vor und weise darauf hin, dass sie nach den aktuellen vertraglichen Regularien zur vollständigen Absetzung berechtigt sei, wenn die Nichtverfügbarkeit dann nicht nachgewiesen werden kann. Hoffmeister solle beachten, dass eine abweichende Belieferung aufgrund von Nichtverfügbarkeit des rabattbegünstigten Arzneimittels nur bei tatsächlichen Lieferausfällen und ausschließlich nach Anfrage durch die Apotheke beim Großhandel beziehungsweise Hersteller zu erfolgen habe.

Hoffmeister hat das komplette Schreiben bei Facebook veröffentlicht. Für ihn kommt der Vorwurf, er habe die Verfügbarkeit nicht geprüft, blankem Hohn gleich. „Unsere EDV ist mittlerweile in der Lage, die Lieferfähigkeit von 150.000 Artikeln in ein bis zwei Sekunden bei unseren Großhändlern abzufragen“, schreibt er in seinem Facebook-Post unter der Eröffnungsformel „liebe Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherungen“. Noch während des Beratungsgespräches mit dem Kunden könne er fehlende Arzneimittel bestellen, welche innerhalb weniger Stunden „aus Landshut oder München oder sonst einer deutschen Stadt geliefert werden“.

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