ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Land in Aussicht!

, Uhr
Berlin -

Captain Jens Spahn steht im Mastkorb und blickt in die Ferne: „Impfstoff in Aussicht!“, ruft er zum Deck hinunter. Irgendwas muss er schließlich rufen und mit dem „in Aussicht“ fährt er ganz gut in letzter Zeit – auch wenn die See stürmischer wird.

Was Captain Spahn zum Beispiel gerne in Aussicht stellt, sind Angebote. Bis zum Sommer werden wir jedem ein Impfangebot machen können. Also jedem eine Corona-Impfung verpassen können, der danach fragt. Und wenn gar nicht so viele fragen, weil sie wissen, dass nicht genug Impfstoff da ist, dann ändert das nichts an der Aussicht. Klar soweit? Spahns kleines Geheimnis: Manchmal macht er sich seine Initialen zu Nutze und lässt seine Unterschrift ein bisschen nach Jack Sparrow aussehen.

Ob er das auch bei dem Brief an die EU gemacht hat, weiß er nicht mehr, er hat ja überhaupt erst aus der Zeitung von seinem Brief erfahren. Und wie es sich für einen echten Freibeuter, und von denen hat die Junge Union Borken wahrlich nicht viele hervorgebracht, gehört, kapert Captain Spahn nicht nur Ideen, sondern weiß auch, wann er sich aus dem Staub machen muss. Sollen doch andere über die Planke gehen. Die EU-Kommission drängelt sich ja als weltsympathischste Behörde ja immer gerne mal vor.

Und der heutigen Präsidentin Ursula von der Leyen würde man angesichts ihrer Erfolge als Verteidigungsministerin ein Desaster bei der Impfstoffbeschaffung ja durchaus zutrauen. Aber die „Bild“ hat mit der zypriotischen Gesundheitskommissarin eine noch willkommenere Zielscheibe gefunden. Anders als diese werde Jens Spahn immer sofort zum Pfizer-Chef durchgestellt, wenn er anrufe, hieß es. Das ist der Hook an solchen Geschichten über sehr kurze Drähte: Es wissen von Natur aus nicht so viele davon. Laut „Bild“ sind es Insider.

In den heimatlichen Gewässern gibt Spahn lieber den Captain an Deck. Da gefällt es ihm, den Kurs zu bestimmen – und manchmal auch kurzfristig zu ändern: Da wird als der Erstattungspreis für FFP2-Masken gesenkt, um damit ein anderes Manöver des letzten Augenblicks zu finanzieren: Die Ausgabe von FFP2-Masken an ALG-II-Empfänger, die man vor Weihnachten leider vergessen hatte. Spahn changiert zwischen Staatsmann und Korsar.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»