„Dieses Weihnachtsgeld war ja auch völlig übertrieben“

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Berlin - Viele Apotheken haben mit dem Honorar für die Abgabe kostenloser FFP2-Masken großzügig kalkuliert: Da fallen für die Kunden nicht nur die Masken auf den Berechtigungsscheinen ab, sondern gern auch mal doppelt so viele. Die Zuzahlung entfällt auch oft und manchmal müssen sie nicht einmal in die Apotheke, weil diese die Masken versendet. Rentiert sich das noch mit einem Drittel weniger Honorar? „Klar macht sich das finanziell spürbar“, sagt Inhaber Dr. Axel Vogelreuter. „Aber um ehrlich zu sein ist die Kürzung nur vernünftig und konsequent, denn dieses Weihnachtsgeld war ja auch völlig übertrieben.“

Dass er es übertrieben habe, werfen wiederum manche Kollegen Vogelreuter vor. Er hatte nicht nur auf die zwei Euro Zuzahlung verzichtet, sondern Anwohner:innen seines Stadtteils in Köln sogar per Werbezuschrift angeboten, ihnen die Masken nach Hause zu schicken – der Freiumschlag lag bereits bei. Der Adressdienstleister ließ ihn dabei auch noch unnötig schlecht dastehen, weil er unsauber arbeitete und mehrere bereits Verstorbene ebenfalls Werbebriefe erhielten. Mitbewerber warfen ihm vor, das staatliche Geld für eine große Werbeaktion in eigener Sache zu nutzen – Vogelreuter wies das zurück und betonte, dass bei seiner Aktion das Verantwortungsbewusstsein die maßgebliche Rolle gespielt habe.

Vom staatlichen Geld fällt nun jedenfalls ein großer Brocken weg. Doch Vogelreuter bereut seine Aktion deshalb nicht, sondern betont, dass sie ganz im Gegenteil sogar zeige, wie großzügig das zuvor kalkuliert worden war: „Bei mir ist alles gut, meine Kalkulation geht trotzdem auf. Ich habe sogar heute nochmal nachgeordert“, sagt der Inhaber der Apotheke am Neumarkt. Es laufe also alles zu seiner Zufriedenheit. „Das ist ja sowieso eine Blackbox, man hat davor immer Investitionen und muss hoffen, dass die sich rentieren. Natürlich hat man als Unternehmer immer ein Risiko, aber wenn man das nicht will, darf man keine Apotheke eröffnen.“

Mehrere Apothekerinnen und Apotheker, die in den vergangenen Wochen ebenfalls wegen ihrer Rabatt- und Bonusaktionen in der Öffentlichkeit standen, wollen sich auf Anfrage nicht äußern. Das negative Echo auf die Aktion sei weit größer ausgefallen als sie vorher erwartet hatten, hört man da. So erging es allerdings auch Vogelreuter. Wenig Verständnis zeigt er vor allem für diejenigen, die nun ihre Rabatt-Kollegen für die Honorarkürzung verantwortlich machen. „Es war ja klar, dass so argumentiert wird. Die Entscheidung der Politik ist aber ganz bestimmt nicht darauf zurückzuführen, dass Apotheken Rabatte gewährt haben. Es ist doch keine Herausforderung, zu wissen, wie die Marktpreise sind, wenn jeden Tag bei mir Mails mit Angeboten für FFP2-Masken eingehen“, sagt er. Dafür müssen man nicht einmal die Fachpresse lesen. „Aber das sind die Unbelehrbaren, die Ewiggestrigen, die immer wollen, dass alles wie im Jahr 1970 gehandhabt wird. Natürlich suchen die immer schwarze Schafe.“

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