Köln: FFP2-Rabattwerbung an Tote verschickt

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Berlin -

Der unterschiedliche Umgang mit der Verteilung kostenloser FFP2-Masken an Bezugsberechtigte sorgt weiter für Unmut unter manchen Kollegen. In Köln erregten sich mehrere Apotheker über das Vorgehen der Apotheke am Neumarkt von Dr. Axel Vogelreuter. Der hatte tausende Briefe an potentielle Kunden verschickt, in denen er anbietet, die Masken gegen Einsendung des Coupons zu verschicken und die 2 Euro Zuzahlung dafür zu erlassen. Doch die Briefe erreichten offenbar nicht nur die, die sie sollten. Und dann schaltete sich auch noch die Kammer ein.

Der Gedanke ist nachvollziehbar: Vor allem Risikopatienten sollten natürlich am besten zu Hause bleiben und sich nicht mit anderen Menschen irgendwo anstellen, um ihre kostenlosen FFP2-Masken zu erhalten. „Warum sollen sich die Leute in eine 30-Meter-Schlange stellen, wenn sie die Masken auch sicher nach Hause kriegen können?“, fragt Vogelreuter. Also versandte er Werbeschreiben an tausende Menschen über 60 – keineswegs an Stammkunden, sondern an Adressen, die er bei einem professionellen Anbieter erworben hatte. „Bleiben Sie zuhause – bleiben Sie gesund!“, werden die Empfänger darin aufgerufen. Vogelreuters Offerte: Die Empfänger füllen eine kurze Antwortkarte samt Lieferadresse aus und packen ihn samt Berechtigungsschein der Krankenkasse in einen beigelegten Freiumschlag. Und die zwei Euro Zuzahlung? Die erlässt er ihnen.

Doch für die Aktion erhielt Vogelreuter eine Menge Gegenwind. Zahlreiche Kollegen und auch manche Empfänger beschwerten sich. „Das treibt ja Blüten, da ist man von den Socken“, sagt beispielsweise Mario Spieker, Inhaber der Markt-Apotheke in Köln-Porz. Mindestens zehn Empfänger seien mittlerweile in seine drei Apotheken gekommen und verwundert bis erbost über die unerwartete Zuschrift gewesen. „Da kommen Senioren zu uns und fragen, was das ist. Die fragen sich, wo eine Apotheke, die sie gar nicht kennen, ihre Adresse herhat“, sagt Spieker. Und nicht nur das: Die Briefe gingen teilweise an Empfänger, die gar nicht mehr am Leben sind. „Das war bei uns zweimal der Fall. Ein Kunde hat uns gefragt, warum seine Frau so einen Brief bekommt, die sei seit einem halben Jahr tot.“

Vogelreuter bestätigt auf Anfrage, dass seine Werbeschreiben an Verstorbene gingen – und zeigt sich genauso empört darüber: „Das ist mir unendlich unangenehm, weil mir der Dienstleister zugesichert hatte, dass die Daten bereinigt sind und so etwas nicht passieren kann“, sagt er. „Ich habe mich auch bereits schriftlich bei denjenigen entschuldigt, von denen ich weiß, dass das passiert ist.“ Schnell machte das Wort die Runde in den Kölner Apotheken und Vogelreuter sah sich Anschuldigungen ausgesetzt, er habe mit ominösen Adressdaten gearbeitet – doch er betont, dass nicht er persönlich die Briefe versandt hat. „Das ist über einen externen Adressanbieter gelaufen. Wir selbst haben keine Adressdaten in der Apotheke gespeichert, sondern wussten selbst nicht, wer angeschrieben wird.“ Doch das ist nicht mal der größte Aufreger: Gescholten wird er nämlich vor allem dafür, die zwei Euro Zuzahlung zu erlassen.

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