Vorbildlich oder unlauter? Apotheken werben mit FFP2-Boni

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Berlin -

Risikogruppen erhalten kostenlose FFP2-Masken und die Apotheken die Arbeit. Aber auch das Geld dafür: Mit ein paar Tagen Abstand zum chaotischen Start der Verteilaktion hat sich für viele Apotheken gezeigt, dass sie mit der Vergütung durchaus etwas großzügiger kalkulieren können. Die Folge: Viele Apotheken nutzen die zweite Runde der Maskenverteilung für Rabatt-Aktionen. Doch manch ein Mitbewerber fühlt sich davon auf den Schlips getreten. Ist das vorbildliche Versorgung oder Marketing mit Steuergeldern?

Welcher Kunde nimmt nicht gern mehr, wenn es umsonst ist? In vielen Apotheken kriegen Menschen über 60 oder mit Vorerkrankungen ab morgen nicht nur kleine Aufschläge, sondern teils erhebliche Maskenboni: zwei Drittel beispielsweise in der Pluspunkt-Apotheke in Zeitz. Wer dort seinen Bezugsschein einlöst, erhält nicht nur die sechs Masken, die ihm zustehen, sondern gleich nochmal vier Stück umsonst dazu und obendrauf noch einen 5-Euro-Einkaufsgutschein – und die zwei Euro Zuzahlung, die die Maskenverordnung vorsieht, muss er ebenfalls nicht zahlen.

Bei der Bahnhof-Apotheke im bayerischen Peissenberg gibt es sogar noch mehr zu holen: „Doppelt hält besser“, wirbt die Apotheke auf Flyern, die gerade in der Umgebung verteilt wurden. Sie wirbt damit, den Kunden gleich 24 statt 12 Masken abzugeben: Für den ersten Coupon erhalte man zwölf statt sechs Masken und könne sich dann bereits 12 Masken für den zweiten Coupon sichern. Die wiederum muss man nicht mal abholen: Die Apotheke bietet ihren Kunden auf Wunsch auch die Zusendung per Post an.

Damit hat sich Inhaber Jan Friedl nicht nur Freunde gemacht. „Ich erwäge, das wettbewerbsrechtlich prüfen zu lassen“, sagt eine Mitbewerberin aus einer wenige Kilometer entfernten Apotheke. Ihrer Auffassung nach nutzt Friedl die Maskenverteilung, um sich einen unlauteren Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Unlauter, weil er die Kosten schließlich nicht allein stemmen muss. „Es ärgert mich, dass hier eine staatliche Aktion, die aus Steuergeldern finanziert ist, für so eine unkollegiale Werbung genutzt wird“, erklärt die Inhaberin, die anonym bleiben möchte. „Er nutzt im Grunde die staatlich zur Verfügung gestellten Gelder, die eigentlich dafür kalkuliert sind, den enormen Aufwand zu vergüten, den wir mit dieser Aktion hatten, um Marketing zu betreiben und seinen Mitbewerbern Kunden abzuziehen.“ Friedl selbst sieht das naturgemäß ganz anders.

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