Freising: Supermarkt greift Berechtigungsscheine ab

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Berlin -

Im bayerischen Freising fühlt sich eine Apothekerin gehörig verschaukelt: Ein Supermarkt schräg gegenüber wirbt damit, dass man bei ihm FFP2-Berechtigungsscheine abgeben kann und dafür seine Masken erhält – und zwar ohne Zuzahlung. Und sie selbst kann nichts dagegen machen. Kunden stehen in der Offizin und fragen, warum sie ihre Masken denn dann noch in der Apotheke abholen sollen. Der Supermarktinhaber sagt auf Anfrage, sein Vorgehen sei rechtens, er habe eine „Ausnahmegenehmigung“. Wie genau das funktionieren soll, verrät er allerdings nicht. Und auch sonst scheint das niemand zu wissen.

Lebensmittel, Backwaren, Metzgerei, Feinkost – und FFP2-Masken auf Berechtigungsschein. Damit wirbt ein Supermarkt im bayerischen Freising seit über zwei Wochen nicht nur in sozialen Medien, sondern auch mit einem Aushang am Eingang des Marktes. „Zertifizierte FFP2-Masken ab sofort 12x kostenlos“, heißt es auf einem ausgedruckten A4-Blatt am Eingang. „Hier erhältlich mit Berechtigungsschein ohne Zuzahlung!!!“, steht darunter, gefolgt von einem Bild zweier Scheine. Das sprach sich schnell rum – und kam auch bei der Apotheke schräg gegenüber schnell an.

„Wir sind darauf aufmerksam geworden, weil uns eine Kundin aktiv darauf angesprochen hat“, sagt die Filialleiterin, die samt ihrem Betrieb nicht namentlich genannt werden möchte. „Sie kam in die Apotheke und meinte, dass sie es nicht einsieht, bei uns 2 Euro zu zahlen, wenn sie die Masken gegenüber ohne Zuzahlung kriegt.“ Also verschaffte sie sich selbst einen Eindruck und sah, dass der Markt sogar aktiv mit dem Angebot wirbt. „Ich war fuchsteufelswild“, sagt sie. „Das ist doch hochgradig illegal. Das ist ein kleiner, privater Supermarkt, der mehr oder weniger regionale Spezialitäten vertreibt. Ich frage mich nur: Wie macht ein Supermarkt das mit der Abrechnung?“ Also versuchte sie, sich helfen zu lassen. Persönlich ansprechen wollte sie die Marktleitung aber nicht, wie sie erklärt. „Der Markt liegt direkt unterhalb eines Wohnblocks, weswegen auch viele unserer Kunden an ihm vorbeikommen. Ich habe Sorge, dass wir dann auch vor denen schlecht dastehen, wenn wir gegen dieses Angebot vorgehen. So etwas kann sehr schnell rufschädigend sein.“

Also versuchte das Apothekenteam, anderweitig Abhilfe zu schaffen – und landete im typischen Kompetenzwirrwarr: Es wandte sich erst ans Gewerbe- und ans Landratsamt, das erste sieht sich nicht zuständig, das zweite reagierte gar nicht. Das Ordnungsamt wolle sich darum kümmern, habe sich aber seitdem nicht noch einmal gemeldet. Also rief die Filialleiterin ihre Kammer an. „Die Dame dort war am Telefon genauso erbost wie ich und sagte, sie gibt den Fall direkt an die Rechtsabteilung.“ Von dort kam bisher auch noch keine Rückmeldung.

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