LABOR-Debatte #27

Schlafmittel bei Kindern: Große Skepsis Deniz Cicek-Görkem, 13.04.2018 16:25 Uhr

Berlin - Wenn die eigenen Kinder nicht schlafen wollen, ständig schreien und für schlaflose Nächte sorgen, führt das häufig zur Verzweiflung der Eltern. Nicht selten führt dies dazu, dass sie deshalb in der Apotheke nach Arzneimitteln fragen. Können Antihistaminika weiterhelfen? Viele Apotheker und PTA sehen den Einsatz von Medikamenten bei Säuglingen und Kindern kritisch, wie die aktuelle LABOR-Debatte zeigte. Auch Kinderärzte sind skeptisch.

Wie aus diversen Internetforen ersichtlich wird, nutzen manche Eltern die Nebenwirkung von Antihistaminika wie Dimetinden (Fenistil) und Dimenhydrinat (Vomex, Vomacur) aus, um ihre Kinder ruhig zu stellen. Für die Behandlung von Schlafstörungen bei Kindern gibt es derzeit nur ein Präparat, das bei dieser Indikation zugelassen ist: Sedaplus Saft von CNP Pharma, das den Wirkstoff Doxylaminsuccinat enthält.

Das Arzneimittel kann ab dem 6. Lebensmonat eingesetzt werden. Säuglinge erhalten 2,5 ml (6,25 mg Wirkstoff) pro Dosis, Kleinkinder bis zu 5 ml (12,5 mg Wirkstoff). Das Produkt ist derzeit noch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, wird aber bald in der Behandlung von Schlafstörungen bei Kindern unter die Verschreibungspflicht gestellt.

Die Änderung der Verkaufsabgrenzung begrüßt auch Professor Dr. Thomas Erler, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums Westbrandenburg in Potsdam. „Man kann nicht ausschließen, dass Eltern die Substanz ungebremst einsetzen und möglicherweise falsch dosieren.“ Denn bei Kleinkindern sei schnell eine Überdosis möglich, die zu Nebenwirkungen wie Atemstillstand führen könne.

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