Beratungsgespräche

Müdemacher fürs Kind: „Ich bin keine Rabenmutter!" Anja Alchemilla, 15.04.2018 07:50 Uhr

Berlin - „Haben Sie Fenistil Tropfen vorrätig? Oder Vomex Zäpfchen?“ Vor Anja Alchemilla steht eine sehr gestresst und übermüdet wirkende Frau, die am Griff des Kinderwagens schaukelt, damit das kleine Kind darin nicht aufwacht. Anja ahnt, dass die Dame weder von einer Allergie geplagt wird, noch dass sie ein Magen-Darm-Virus ereilt hat.

„Darf ich fragen, für wen und gegen was das Medikament sein soll? Je nach Alter gibt es verschiedene Darreichungsformen und Stärken. Außerdem darf eine stillende Mutter auch nicht alles einnehmen.“

„Ach... nur so... für die Hausapotheke. Müssen Sie das alles überhaupt wissen?“ Bei der Kundin scheint so etwas wie Kampfgeist zu erwachen. Die Situation bedarf nun Fingerspitzengefühls, sonst ist die Dame weg und bestellt sich die ganzen frei verkäuflichen Dinge im Internet. Und den Verkäufern dort ist es schnuppe, ob vielleicht damit „nur“ der Säugling ruhig gestellt werden soll.

„Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine Beratung bei uns im Beratungsraum anbieten. Dort ist es ruhiger und Ihr Baby wacht nicht so schnell auf.“ Zum Glück nickt die Kundin zustimmend und folgt Anja mit dem Kinderwagen. In der Abgeschiedenheit des Ruheraumes bricht sie in Tränen aus, als Anja sie vorsichtig fragt, ob sie genug Schlaf bekommt, weil sie so müde aussieht. Sie hat in einem „Mama-Forum“ im Internet gelesen, dass der Saft und die Zäpfchen viele Babys müde machen und sie wollte es einfach einmal versuchen, um endlich selbst einmal wieder länger als drei oder vier Stunden am Stück Schlaf zu bekommen.

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