Lieferengpässe: „Die haben das doch studiert, nicht ich!“

, Uhr

Also hielt Elze Rücksprache mit ihrem Arzt und wollte aus der Not eine Tugend machen. Sie spielte ohnehin mit dem Gedanken, das Medikament abzusetzen und so packte sie die Gelegenheit beim Schopfe. „Ich dachte mir, ich kriege das schon hin. Zur Not bin ich eben zwei Wochen arbeitsunfähig.“ Und so war sie auch auf die körperlichen Absetzerscheinungen vorbereitet, beispielsweise die dauerhafte Übelkeit, das Schwindelgefühl oder die Sehstörungen. „Die kann man bei mir sogar sehen, ich habe dann Pupillen wie Untertassen.“ Hinzu kamen Muskelzuckungen: „Ich habe teilweise auf dem Bett gesessen und regelrecht um mich geschlagen.“

Mit der Situation konnte sie noch umgehen, nicht mehr aber mit dem, was danach kam. „Die körperlichen Symptome kannte ich ja schon, aber nach einigen Tagen setzten die psychischen ein.“ Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Dunkelheit traten plötzlich auf, vor allem letzteres war ihr völlig neu: „Das hatte ich in meinem ganzen Leben noch nie. Ich musste plötzlich das Licht anlassen, wenn ich einschlafen wollte. Ich habe mir gesagt: ‚Du bist 31 Jahre alt, du musst doch keine Angst vor Monstern haben!‘“ In einem Selbsthilfeforum, das sich speziell an Menschen richtet, die Psychopharmaka ausschleichen wollen, informiert sie sich über ihre Situation – und kommt zu dem Schluss, dass es womöglich doch keine gute Idee war, das Venlafaxin abzusetzen.

Sie tauscht sich dort mit Menschen aus, die diese Symptome nach dem Absetzen teilweise jahrelang gehabt haben – und das trotz ebenso geringer Dosis. „Nach einigem Lesen und Austausch mit anderen befürchtete ich dann, dass ich vielleicht zu dieser Gruppe gehöre, und wollte lieber wieder mit der Einnahme beginnen.“ Also geht sie zu ihrem Arzt, der ihr ein neues Rezept über die alte Wirkstärke ausstellt. „Doch in der Apotheke hieß es dann, es gebe jetzt gar nichts mehr.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
„Es ist schwierig, das Abwerben hinterher zu belegen“
Apotheker enttäuscht: Drei Angestellte abgeworben»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»