EU-Leitlinie Neurodermitis

„Emollienzien plus“ als Basistherapie empfohlen

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Berlin -

Die atopische Dermatitis ist eine chronische Erkrankung, von der 15 bis 30 Prozent aller Kinder in Industrieländern betroffen sind. In 85 Prozent der Fälle entwickelt sich die atopische Dermatitis vor dem fünften Lebensjahr, 60 Prozent der Kinder erkranken sogar vor dem ersten Jahr Lebensjahr. Einen großen Stellenwert in der Stufentherapie der atopischen Dermatitis nimmt die Basistherapie ein, die in der aktuellen europäischen Leitlinie 2018 als „Emollienzien plus“ eine feste Empfehlung gefunden hat.

Juckreiz, trockene Haut, Schlaflosigkeit oder schwer anzuwendende Cremes und Lotions zählen zu den täglichen Belastungen der Betroffenen. Die Patienten werden im Rahmen einer Stufentherapie behandelt. Der europäischen Leitlinie Neurodermitis liegen vier Stufen und die entsprechenden Therapien zu Grunde. Trockene Haut (Stufe 1) wird leitlinienkonform mit einer Basispflege sowie der Vermeidung und Reduktion von Provokationsfaktoren therapiert.

Wer unter leichten Ekzemen (Stufe 2) leidet, soll zusätzlich zur Basistherapie mit antiseptischen Wirkstoffen, topischen Glucorticoiden der Klasse 1 und 2 und/oder Calcineurinhemmern behandelt werden. Moderate Ekzeme (Stufe 3) können zur Basistherapie mit topischen Cortcoiden der Klasse 2 und 3 und/oder Calcineurinhemmern therapiert werden. Bei persistierenden und schwer ausgeprägten Ekzemen kann eine systemische Therapie mit Cyclosporin oder einem monoklonalen Antikörper wie Dupilumab unerlässlich sein.

Die Experten empfehlen laut Leitlinie, in allen Stufen der atopischen Dermatitis eine Basistherapie anzuwenden. Neben Aufklärungsprogrammen zählen auch Emollienzien und die Vermeidung klinisch relevanter Allergene zum Grundstock. Emollienzien sind Externa, die traditionell frei von aktiven Wirkstoffen sind und eine rückfettende Eigenschaft haben. Die europäische Leitlinie zum atopischen Ekzem hat 2018 erstmals eine neue Kategorie als Basistherapie empfohlen – die Emollienzien plus.

Erstmals wurden drei Aktivstoffe erwähnt, für die ein Zusatznutzen in Basistherapeutika belegt ist. „Die Produkte können beispielsweise Saponine, Flavonoide und Riboflavin aus proteinfreiem Haferextrakt, oder Bakterienlysate aus Aquaphilus dolomiae oder Vitreoscilla filiformis enthalten“, ist in der Leitlinie zu lesen. Die Wirksamkeit von Emollienzien wurde in Studien belegt. So könne die tägliche Anwendung einer Basispflege von Geburt an die Entstehung von Neurodermitis bei Risikopopulationen signifikant reduzieren.

Pierre Fabre hat zwei Emollienzien plus auf dem Markt, die die empfohlenen Aktivstoffe enthalten. Zum einen Aderma Exomega Control mit Rhealba Junghaferextrakt. Das Produkt kann bereits von Geburt an aufgetragen werden. Avène XeraCalm A.D enthält Aquaphilus dolomiae, die Mikroflora des Thermalwassers, das als I-modulia enthalten ist.

Der Hersteller setzt außerdem seit langem auf sterile Kosmetik und hat das Verschlusssystem überarbeitet. Dieses kann das Produkt hermetisch abriegeln. Außerdem würden ausschließlich die notwendigen Inhaltsstoffe verwendet und die Kosmetika während der Produktion sterilisiert und im Reinraum abgefüllt und verschlossen. Das neue Verschlusssystem wurde um einen Pumpverschluss erweitert und wird auf den Produkten der Linien XeraCalm und Exomega Platz finden. Zudem wird XeraCalm künftig auch zu 400 ml erhältlich sein. Exomega Control ist in drei Galeniken erhältlich und wird ab Januar den neuen Verschluss tragen, allerdings nur zu 200 ml. Die Packung zu 400 ml bleibt unverändert. Im Rahmen der Umstellung auf den neuen sterilen Verschluss wird es eine Preiserhöhung geben.

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