Cannabis-Legalisierung: Apotheken sollten eigene Stores einrichten

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Berlin -

Die Freigabe von Cannabis als Genussmittel wird mit Blick auf die entstehende Ampel-Koalition von vielen fast sehnsüchtig erwartet – und die Apotheken stehen an vorderster Front. Schließlich spielen sie in den Legalisierungskonzepten von SPD und FDP eine zentrale Rolle als potenzielle Verkaufsstellen. Wie damit umgehen? Die Verbände halten sich bedeckt, in der Apothekerschaft sind die Meinungen trotz steigender Akzeptanz durchwachsen, niemand traut sich bisher so recht vor. Inhaberin Melanie Dolfen hat sich nun als Erste eindeutig und mutig positioniert: Ja, Apotheken sollten Cannabis verkaufen – aber nicht in der Offizin zwischen Arzneimitteln und Gesundheitsberatung, sondern in separaten Shops, fordert sie.

Corona und Cannabis? Die Pandemie hat nicht nur den Drogen- und speziell auch den Cannabiskonsum in Deutschland nachweislich befördert, sondern auch einmal mehr belegt, was die Apotheken alles können. „Wir haben mit den Corona-Testcentern gezeigt, wie schnell Apotheken auf eine neue Situation reagieren können“, sagt Dolfen, Inhaberin der Berliner Bezirks-Apotheke, die nicht nur selbst testet, sondern seit Jahren schon zu den wichtigsten Apotheken gehört, die Patienten mit medizinischem Cannabis versorgen. Die Erfahrungen aus der Pandemie würden belegen, dass die Apotheken auch die Versorgung mit Freizeit-Cannabis stemmen können.

Dolfen zeigt sich offen dafür. „Ich bin unbedingt dafür, die Cannabis-Legalisierung über Apotheken laufen zu lassen. Wir haben das Know-how und das seriöse Umfeld für Prüfung, Produkte und Beratung“, sagt sie. Aber: „Die Legalisierung darf nicht auf Kosten der Patientinnen und Patienten gehen, die Medizinalcannabis brauchen.“ Deshalb sei sie dafür, dass gesetzlich eine räumliche Trennung des normalen Apothekengeschäfts von der Abgabe von Freizeit-Cannabis festgeschrieben wird. „Mit einer angemessenen Vorlaufphase wären Apotheken in Deutschland in der Lage, die Strukturen für eine kontrollierte Cannabis-Legalisierung aufzubauen. Allerdings sollten Apotheken, die an dieser Legalisierung teilhaben wollen, verbindlich eigene Cannabis-Stores einrichten müssen.“

Ob er das machen will, müsse dann jeder Betrieb selbst entscheiden. „Ich sehe nicht, dass das jede Apotheke macht, sondern bestimmte, die das umsetzen können und das Know-how haben – und vor allem, die es wollen.“ Das sei jedoch kein Thema, das nur Cannabis betrifft. „Wir Apotheken müssen uns ohnehin Gedanken machen, wie wir künftig neue Dienstleistungen abbilden können, sei es impfen oder die pharmazeutischen Dienstleistungen. Das alles sehe ich auch nicht im Beratungsraum.“ Würden die Rahmenbedingungen stimmen, könne der Cannabisverkauf auch eine wirtschaftliche Perspektive bilden. „Ich glaube, dass da auch betriebswirtschaftlich Sinn macht. Wir müssten vorher natürlich mit dem spitzen Bleistift rechnen, ob und wie sich das rentiert. Das qualifizierte Personal und die Räumlichkeiten müssen am Ende auch bezahlt werden.“

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