Forderung nach THC-Grenzwert

Apothekerin: Industrie verharmlost Cannabis-Gefahren

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Berlin -

In der Cannabisbranche herrscht Goldgräberstimmung: Die Legalisierung als Genussmittel soll kommen, zahlreiche Unternehmen stehen schon bereit, um den Markt zu beliefern. Was sie in den Markt bringen, müsse aber unbedingt streng reguliert werden, fordert Apothekerin Melanie Dolfen, die selbst zu den größten Cannabisversorgern gehört. Denn die Industrie verharmlose das Produkt, so ihr Vorwurf.

„Die Lobby der großen CBD- und medizinischen Cannabisunternehmen spielt die Risiken offensichtlich herunter“, erklärt Dolfen, die als Inhaberin der Berliner Bezirks-Apotheke seit Jahren mit medizinischem Cannabis arbeitet. So wehre sich ein großer Teil der Unternehmen gegen mögliche THC-Grenzwerte in Cannabisprodukten. Die Forderung danach ist nicht neu: In den USA und Kanada beispielsweise wird bereits seit längerem darüber berichtet, dass mit der Freigabe vor allem die Nachfrage nach Cannabis mit besonders hohem THC-Wert steigt. Es fehlt aber noch an Studien zu den Gefahren – Mediziner befürchten, dass mit besonders hohen THC-Werten eine Erhöhung des Suchtpotenzials sowie größere Gefahren beispielsweise bei der Auslösung von Psychosen einhergehen.

Dolfen fordert deshalb, dass mit der Legalisierung auch der zulässige THC-Gehalt reguliert wird und kritisiert, dass der Punkt im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP nicht berücksichtigt wird. „Die Dosierung ist das Problem. Die Risiken sind groß und immer noch nicht umfassend untersucht und verstanden. Der Cannabis-Code ist noch nicht geknackt“, so Dolfen bereits im November. Gerade die sogenannten Entourage-Effekte, also die komplexen Wechselwirkungen der verschiedenen Stoffe in den Pflanzen, würden der Wissenschaft nach wie vor Rätsel aufgeben.

Selbst auferlegte Vorsicht der Hersteller erwartet Dolfen dabei nicht – im Gegenteil: Sie spiele die Risiken von Cannabis offensichtlich herunter. Erfahrungen aus den USA und Kanada würden zeigen, dass die Nachfrage nach sogenannten Higher-Potency Products dort nach der Legalisierung stark gewachsen ist. Hierzulande behaupte die Industrie dagegen, Higher-Potency Products seien lediglich ein Schwarzmarkt Effekt.

Das stehe im Widerspruch zur behaupteten Gefahrlosigkeit, sagt Dolfen. Deshalb müsse die Zusammensetzung bei Cannabis streng kontrolliert werden: Es brauche eine unabhängige Instanz im Markt, die Produkte unabhängig prüft und die Kunden unabhängig informiert, so ihre Forderung. „Eine Legalisierung, die die Interessen der künftigen Konsumenten ernst nimmt, trennt Herstellung und Verkauf.“ Außerdem müsse eine vernünftige Regulierung neben THC-Grenzwerten auch eine Altersgrenze – Dolfen schlägt 25 Jahre vor – und Höchstabgabemengen beinhalten.

Außerdem dürfe die Information nicht der verkaufenden Industrie überlassen werden: „Wir brauchen in Deutschland unabhängige Informationen über die Erfahrungen in anderen Ländern. Es reicht nicht, wenn eine Lobby die andere zitiert, und dann auf der Grundlage dieser Informationen Gesetze und Verordnungen geschrieben werden.“

Auch deshalb hatte sich Dolfen ursprünglich für die Abgabe von Freizeitcannabis in Apotheken ausgesprochen. Noch ist das theoretisch möglich, denn der Koalitionsvertrag spricht nur von „lizenzierten Geschäften“, was auch Apotheken umfassen könnte. „Wir haben das Know-how und das seriöse Umfeld für Prüfung, Produkte und Beratung“, sagt Dolfen. Aber: „Die Legalisierung darf nicht auf Kosten der Patientinnen und Patienten gehen, die Medizinalcannabis brauchen.“ Deshalb sei sie dafür, dass gesetzlich eine räumliche Trennung des normalen Apothekengeschäfts von der Abgabe von Freizeit-Cannabis festgeschrieben wird. „Mit einer angemessenen Vorlaufphase wären Apotheken in Deutschland in der Lage, die Strukturen für eine kontrollierte Cannabis-Legalisierung aufzubauen. Allerdings sollten Apotheken, die an dieser Legalisierung teilhaben wollen, verbindlich eigene Cannabis-Stores einrichten müssen.“

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