aposcope-Umfrage

Inhaber wollen eher Cannabis verkaufen als ihre Teams

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Berlin -

Apotheken stehen nicht mehr explizit als Verkaufsstellen von Cannabis als Genussmittel im Koalitionsvertrag, stattdessen ist die Rede von „lizenzierten Geschäften“. Doch damit sind sie längst nicht aus dem Rennen: Laut Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) werden sie sich wie andere Anbieter auch um Lizenzen bewerben können – und dürften dank ihrer Qualifikationen gute Chancen haben, als erste am Zug zu sein. Einer aktuellen aposcope-Befragung zufolge ist das Echo darauf aber gemischt.

Eine knappe Mehrheit der Apotheken in Deutschland würde Cannabis als Genussmittel verkaufen. Dabei fällt aber auf: Inhaber:innen stehen dem Cannabisverkauf offener gegenüber als Filialleiter:innen, angestellte Approbierte und PTA. Insgesamt sprechen sich knapp 52 Prozent der Inhaber:innen und Mitarbeiter:innen in deutschen Apotheken dafür aus, dass Cannabis als Genussmittel in ihrer Offizin verkauft werden soll: 23 Prozent bejahten das eindeutig, 29 Prozent tendieren zu ja. Knapp 15 Prozent sind klar dagegen, knapp 24 Prozent tendieren zu Nein und immerhin jede:r Zehnte ist sich noch uneins oder hat keine Angaben gemacht. Es steht also 52 zu 39 Prozent pro Cannabisverkauf bei knapp unter 10 Prozent Unentschlossenen.

Unter der Prämisse, dass Apotheken sich erst auf Lizenzen bewerben müssten, um Cannabis verkaufen zu dürfen, ändern sich die Mehrheitsverhältnisse leicht. Offenbar bräuchten viele Apothekenteams da noch ein wenig Bedenkzeit: Der Anteil der Entschlossenen fällt auf 15 Prozent, mit 26 Prozent tendiert aber mehr als jede:r Vierte dazu, sich auf eine Lizenz zu bewerben. Während der Anteil derer, die zu Nein tendieren ebenfalls bei 24 Prozent liegt, sagen nur zehn Prozent der 302 Befragten, dass sie sich nicht auf eine Lizenz bewerben würden. Dafür steigt der Anteil derer, die sich noch nicht sicher sind, auf 24 Prozent. Es steht also knapp 42 zu 34 Prozent bei immerhin 24 Prozent Unentschlossenen.

Es gibt jedoch spürbare Unterschiede zwischen den verschiedenen Berufsgruppen: So gibt es unter den Inhaber:innen bei der Frage, ob in ihrer Apotheke Cannabis verkauft werden sollte, keine:n einzige:n Unentschlossenen. Auch sonst ist die Stimmung eindeutig: 70 Prozent sind dafür, 30 Prozent dagegen. Auch ist der Teil der entschlossenen Befürworter ist größer: 36 Prozent bejahten, 34 tendierten zu Ja, 16 Prozent tendieren zu Nein und nur 14 Prozent verneinen die Frage eindeutig. Über Approbierte und Filialleiter:innen bis zu den PTA nimmt die Zustimmung dann sichtbar ab. Bei den PTA hat sich das Verhältnis von Zustimmung zu Ablehnung dann gedreht und liegt bei 44 zu 45 Prozent bei 11 Prozent Unentschlossenen.

Bei der Frage nach Bewerbung auf Lizenzen sieht es ganz ähnlich aus: 64 Prozent der Inhaber:innen sind dafür – wobei sich das zu gleichen Teilen auf Entschlossene und weniger Entschlossene verteilt. 32 Prozent sind dagegen, davon 18 entschlossen und 14 Prozent, die eher zu Nein tendieren. Nur vier Prozent sind noch komplett unentschlossen oder haben keine Angaben gemacht. Dieser Anteil ist dann bei den PTA besonders hoch: 31 Prozent. Auch hier hat sich das Verhältnis gedreht: Knapp 34 Prozent der PTA sind gegen eine Bewerbung auf eine Cannabis-Lizenz, 35 dafür.

Unterschiede zeigen sich in auch, wenn man nach Geschlecht und regionaler Lage differenziert: Männliche Kollegen scheinen eindeutig Cannabis-affiner. 74 Prozent von ihnen sprechen sich für den Verkauf in ihrer Apotheke aus, knapp 22 Prozent dagegen. Bei den weiblichen Kollegen liegen Befürwortung und Ablehnung mit 45 zu 44 Prozent weitaus näher beieinander. Ähnlich bei der Frage nach den Lizenzen: Hier ist das Verhältnis 61 zu 27,5 Prozent bei den Männern, während von den Frauen jeweils 36 Prozent dafür und dagegen sind, bei einem relativ hohen Anteil Unentschlossener von 28 Prozent.

Nach Regionen unterteilt sind es vor allem Apotheken in den östlichen Bundesländern, die dem Cannabisverkauf offen gegenüberstehen: 63 Prozent der Apothekenmitarbeiter:innen sprechen sich dafür aus, nur 27 dagegen. In Bayern und Baden-Württemberg ist es umgekehrt: 42 Prozent der süddeutschen Kolleg:innen sind für und 52 Prozent gegen den Cannabisverkauf in der Apotheke. Bei der Frage nach den Lizenzen sieht es ähnlich aus: 43 zu 30 Prozent im Osten stehen da 36 zu 44 Prozent im Süden gegenüber. Auch in Nord- und Westdeutschland ist jeweils eine Mehrheit für Verkauf und Lizenzerwerb. Die Kolleg:innen in Süddeutschland sind also die Einzigen, die den Cannabisverkauf mehrheitlich ablehnen.

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