Rabattverträge jetzt auch für Cannabis

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Berlin -

Cannabis wird immer mehr zu einem normalen Arzneimittel – im Guten wie im Schlechten. Drei Anbieter haben nun zum ersten Mal überhaupt Rabattverträge für Medizinalcannabis abgeschlossen – und damit erstmals auch für Rezepturarzneimittel. Für sie ist das ein Fortschritt in der Cannabis-Versorgung, für den Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA) das genaue Gegenteil.

Der Kassendienstleister GWQ hat für mehrere Betriebskrankenkassen (BKKen) „nicht-exklusive Rabattvereinbarungen nach § 130a Abs. 8 SGB V“ über Cannabisblüten und -extrakte abgeschlossen. Vertragspartner sind Adrex, Cannamedical und Remexian. Es handelt sich um Open-House-Verträge, denen jeder Hersteller beitreten kann, der sich den Konditionen unterwirft. Spectrum K will ähnliche Verträge schließen, die ab dem 1. Januar gelten und eine Laufzeit von zwei Jahren haben sollen.

Adrex hat nach Angaben von Geschäftsführer Mario Eimuth außerdem Vereinbarungen mit der AOK Nordost, der IKK classic und der KKH. Dabei soll es aber nicht bleiben, Adrex verhandele derzeit auch mit weiteren Kassen und stehe kurz vor Vertragsabschluss.

Die Verträge werden kassenindividuell verhandelt und umfassen jeweils bestimmte Blüten und Sorten. Genauere Angaben – beispielsweise zu Preisnachlässen und erfassten Sorten – kann und will Adrex Pharma nicht machen. Wie bei anderen Arzneimitteln sind Rabattverträge auch bei Cannabis absolute Geheimhaltungssache. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied: Bisher gibt es Rabattverträge nur für generische Wirkstoffe.

„Cannabis wird damit wie ein normales Fertigarzneimittel behandelt“, sagt Eimuth. „Ich glaube, dass damit die allgemeine Akzeptanz von Cannabis als Arzneimittel steigt. Es wird in der Ärzteschaft nochmal einen größeren Vertrauensbonus schaffen, wenn sie sehen, dass die Krankenkassen das auch so anerkennen.“

Die Verträge ermöglichten nicht nur eine wirtschaftliche Patientenversorgung, sondern würden auch stark dazu beitragen, die Prozesse zur Kostenübernahme zu erleichtern. Der Kassenvorbehalt – die Vorabprüfung der Anträge auf Kostenübernahme durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) – ist bisher eines der entscheidenden Nadelöhre von Patienten auf dem Weg zu einer möglichen Cannabistherapie. Im Schnitt wird bis zu einem Drittel der Anträge von den Kassen abgelehnt – teils mit vollkommen unzulänglichen Begründungen. Die Rabattverträge stellten nun eine Anerkennung dar, die nicht zuletzt aufgrund der Einsparungen auch bei den Kassen zu höherer Akzeptanz führen dürfte, hofft Eimuth.

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