Cannabis-Apotheker rechnen mit AMK ab

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Berlin - Mit drastischen Worten haben mehrere Medizinalcannabisverbände die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) kritisiert. Die hatte in einer Stellungnahme Apotheken in die Pflicht genommen, bei der Abgabe von Cannabis besonders auf Anzeichen von Missbrauch zu achten. Der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) und das Selbsthilfenetzwerks Cannabis Medizin (SCM) kritisieren jene Stellungnahme nun scharf: Die AMK stigmatisiere Patienten, offenbare „ein eklatantes Wissensdefizit“ und „schürt alte Vorbehalte“, so die Verbände.

Die AMK wollte nach eigenen Angaben Apotheker dafür sensibilisieren, wie sie bei Patienten einen Abusus erkennen und wie sie mit mutmaßlich Suchtkranken Cannabis-Patienten umgehen sollen. Aus Sicht der Cannabis-Verbände hat sie sich dabei nicht nur im Ton vergriffen, sondern offenbart ein grundlegend falsches Verständnis der Arzneimitteltherapie mit Cannabis. „Statt allerdings sachlich zum Thema zu informieren, diffamiert die AMK nicht nur Cannabis verschreibende Ärzt*innen, sondern auch Patient*innen, die mit Cannabis behandelt werden“, so die Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung. „Mehr noch: die AMK offenbart mit der Stellungnahme darüber hinaus ein eklatantes Wissensdefizit und schürt alte Vorbehalte gegenüber der noch jungen Therapieoption.“

Die Cannabisapotheker, -ärzte und -patienten zerpflücken die AMK-Meldung Punkt für Punkt und fangen dabei schon bei der ganz grundsätzlichen Problematik des angeblichen Cannabis-Missbrauchs durch Patienten an: „Unseres Wissens nach gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass die ‚missbräuchliche Anwendung‘ von Cannabis als Medizin überhaupt ein relevantes Problem darstellt – ganz im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln wie Benzodiazepinen und Opioiden“, heißt es da. Allein bei Benzodiazepinen gingen demnach alle Schätzungen von einer Zahl von mehr als einer Million Betroffenen nur in Deutschland aus.

Gleich in doppelter Hinsicht unzutreffend sei der zweite Punkt, wonach es einen Hinweis auf eine missbräuchliche Anwendung darstelle, wenn Patienten versuchen, die Rezepturzubereitung zu beeinflussen, um beispielsweise eine unverarbeitete Abgabe von Cannabis zu erwirken. Denn erstens dürften Apotheker Cannabis überhaupt nur dann unverarbeitet abgegeben, wenn der Arzt das ausdrücklich auf dem Rezept vermerkt, und zweitens sei die unverarbeitete Gabe empfehlenswert, um beispielsweise einer vorzeitigen Oxidation vorzubeugen. „Auch in puncto Dosierungsgenauigkeit beraten Cannabis-versorgende Apotheken ihre Patienten sehr genau und leisten pharmazeutische Hilfestellung zum Beispiel im Umgang mit Vaporisatoren und ähnlichem“, so die Verbände.

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