Botendienst mit Fernsteuerung

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Berlin - Wenn die Bedeutung des Botendienstes weiter zunimmt, werden einige Apotheken externe Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Angebote hierzu gibt es schon im Markt, doch die Abda pocht auf apothekeneigenes Personal. Der Anbieter Apocourier meint, mit einer verschließbaren Box die Lösung gefunden zu haben. Das Start-up hat sich rechtlichen Beistand geholt und will nun in Gespräche die Aufsichtsbehörden überzeugen.

Während der Corona-Pandemie wurde der Botendienst politisch bewusst gestärkt, als Regelleistung definiert und für Rx-Arzneimittel sogar mit einer Vergütung versehen. Mit der Einführung des E-Rezepts könnte der Service für Apotheken vor Ort weiter an Bedeutung gewinnen, um sich gegen den Versandhandel zu behaupten.

Das lockt private Anbieter, die den Botendienst für Apotheken übernehmen wollen. Die Abda hat unlängst auf Nachfrage aber noch einmal bekräftigt, dass aus ihrer Sicht keine externen Fahrer eingesetzt werden dürfen. Es geht um die Weisungsbefugnis, die Kontrolle und Verantwortung des Inhabers oder der Inhaberin.

Diese Anforderungen glaubt Apocourier sämtlich zu erfüllen. Die Arzneimittel werden nämlich in einer verschließbaren Box ausgeliefert, so dass der Bote keinen Zugriff auf den Inhalt hat. Dazu wird kryptografisch ein individueller Schlüssel digital erstellt. Der Empfänger kann die Box öffnen, dazu bekommt er per Mail oder zuvor ausgedruckt einen QR-Code. Die verantwortliche Person in der Apotheke kann die Box ebenfalls per App entriegeln, die Öffnung aber zum Beispiel auch an einen vorherigen Videocall mit dem Kunden koppeln. Damit soll eine durchgehende Kontrolle der Boten durch die Apotheke gewährleistet werden. Gleichzeitig sei eine telepharmazeutische Beratung auf diesem Weg möglich.

Die Apotheke kann entscheiden, ob sie eigenen Boten einsetzt, den einer anderen Apotheke aus der Kooperation oder einen externen, aber weisungsgebundenen Boten. Die Nutzung des Systems setzt diese vertragliche Bindung voraus. „Apocourier selbst erbringt keine Boten- oder Transportleistung, sondern stellt lediglich die technische Lösung. Welche Boten eingesetzt werden, entscheidet der Apotheker. Unser System gewährleistet aber unabhängig vom eingesetzten Boten eine durchgehende Weisungshoheit. Deshalb wird bei Nutzung von Apocourier jeder Bote zum Boten der Apotheke“, erklärt Katrin Hopf, die das Unternehmen zusammen mit Oliver Bordt gegründet hat.

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