E-Rezept für Heimbewohner

Red Medical: Bote soll mit Laptop ins Heim fahren

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Berlin -

In puncto Heim- und Pflegedienstversorgung stehen viele Apotheken nach der verpflichtenden Einführung des E-Rezepts noch vor Herausforderungen. Eine davon ist der Umgang mit den elektronischen Gesundheitskarten (eGK) der Bewohner:innen oder den Patient:innen. Denn: Da Pflegeheime keinen Zugang zur Telematikinfrastruktur (TI) haben und vielfach auch noch nicht über KIM verfügen, braucht es zeitnah eine praktikable Lösung. Die eGK einzusammeln ist jedenfalls keine, deshalb schlägt Red Medical vor: Der Bote soll mit dem Laptop ins Heim fahren.

Alten- und Pflegeheime sind nicht an die TI angeschlossen: „Die allermeisten Einrichtungen haben deshalb noch keinen Zugriff auf KIM – sie können die E-Rezepte ihrer Bewohner weder empfangen noch an die Apotheke ihrer Wahl übermitteln“, so Jochen Brüggemann, Geschäftsführer des Softwareanbieters Red Medical. „Man muss es ganz klar so sagen: Bei der Planung und Umsetzung der E-Rezept-Pflicht wurde die Heimversorgung zu lange ignoriert. Deshalb ist jetzt die Kreativität einzelner Apotheken gefragt, bis in einigen Jahren alle Pflegeeinrichtungen an die TI angeschlossen sind.“

Laut Brüggemann müssen Apotheken nun einen anderen Weg finden, um die E-Rezepte von Heimbewohnern schnell und effizient zu verarbeiten. Er verweist auf sein Produkt „Red telematik safe“: „Mit der kürzlich veröffentlichten Lösung lassen sich nicht nur E-Rezept-Ausfälle effektiv vermeiden, sondern elektronische Verordnungen aus dem Heim direkt in die Apotheke übertragen“, so Brüggemann. Das spare Zeit und sichere die effiziente Arzneimittelversorgung: „Die E-Rezepte können bereits direkt nach dem Einlesen der eGK im Heim in der Warenwirtschaft weiterverarbeitet werden.“

„Maximal zehn eGK verknüpfbar“

Aufgrund von Beschränkungen sei auch die Rezept-Übertragung via „Card Link“ durch einen Boten oder die Heimleitung faktisch nicht möglich: „Das neue Verfahren ist nicht für die Heimversorgung geeignet. Das liegt an einer neuen Spezifikation der Gematik, die vorsieht, dass maximal zehn eGK mit einem Card-Link-Nutzerkonto verknüpft werden können“, erklärt Brüggemann. „Um E-Rezepte an die Apotheken zu übermitteln, wären angesichts von hunderten Heimbewohnern folglich sehr viele Card-Link-fähige Smartphones erforderlich“, so der Unternehmer. Das lasse sich in einem Pflegeheim nicht realisieren.

Da die Software aber nicht direkt an einen stationären Arbeitsplatz innerhalb der Apotheke gebunden ist, sondern auch auf einem separaten Laptop eingerichtet und von dort aus als mobile Lösung für die Heimversorgung eingesetzt werden kann, gebe es folgenden Lösungsansatz:

  • Ein Bote fährt ins Heim und nimmt einen Laptop mit, auf dem „Red telematik safe“ installiert ist. Mithilfe eines per USB angeschlossenen Kartenterminals liest er dort die eGK der Patient:innen ein.
  • Sofort nach dem Einlesen der eGK wird das E-Rezept via Software in die Apotheke übermittelt. Die eGK verbleibt bei den Patient:innen im Heim.
  • Das E-Rezept kann direkt in der Warenwirtschaft verarbeitet werden, und ein Bote bringt die verschriebenen Arzneimittel in das Heim.

Fazit: „Die Apotheke verliert also keine Zeit, während der Botendienst unterwegs ist. Stattdessen startet die Verarbeitung der abgerufenen E-Rezepte im Warenwirtschaftssystem ohne Verzögerung, wodurch die Apotheke die Arzneimittel schneller bereitstellen kann“, wirbt Brüggemann für sein Konzept.

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