Botendienst: Einmal pro Woche reicht

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Berlin -

Die taggleiche Belieferung ist für viele Apotheken ein wichtiges Marketingargument – schon um sich gegenüber der Konkurrenz aus dem Netz abzugrenzen. Auch wenn die meisten Kolleg:innen einen täglichen Botendienst anbieten, gibt es Ausnahmen. Wie Apotheker Johannes Unger. Der 38-Jährige führt die Riemenschneider-Apotheke im fränkischen Volkach in dritter Generation und erklärt, warum bei ihm der Botendienst (noch) Nebensache ist.

Der Botendienst der Apotheken wurde in Pandemiezeiten verstärkt nachgefragt. Viele Betriebe stockten auf, investierten in Autos und Fahrer:innen, um die Kundschaft zu bedienen. Anders in der Riemenschneider-Apotheke in Volkach. Dort werden Arzneimittel und andere Produkte nach wie vor einmal pro Woche von Studentinnen ausgefahren. „Wir haben keinen offiziellen Botendienst“, sagt Unger.

Die Auslieferungen sind für viele Apotheken ein Minusgeschäft, dennoch werben viele Inhaber:innen mit dem Service. Die finanzielle Seite spielt auch für Unger eine große Rolle. „Ich versuche, den Botendienst klein zu halten“, sagt der Apotheker. Die Fahrten kosteten Geld – trotz der wegen Corona eingeführten Auslieferungspauschale von 5und später dann 2,50 Euro. Pro Lieferung müsse mit Kosten von etwa 5 Euro gerechnet werden, wenn eine Route geplant sei. „Wenn jemand aber eine Stunde unterwegs ist und 25 Kilometer hin- und zurückfährt und die Bestellung noch abgibt, ist es damit nicht getan.“ Zudem gebe es dann keine Zusatzverkäufe wie bei einem Apothekenbesuch.

Den Preis pro Lieferung kalkulatorisch darzulegen, sei schwierig. Unger setzt noch auf das Engagement seines Teams. Seine Angestellten und auch er selbst nähmen beim Arbeitsweg mitunter die Bestellungen der Kundschaft mit. Auch die beiden E-Bikes der Apotheke würden mitunter für Lieferungen genutzt, seien aber eigentlich für interne Wege wie zur Post oder zur Bank angeschafft. „Wir wollen natürlich keine Kunden vergraulen oder diskriminieren“, betont er. Zudem gebe es regelmäßige Lieferungen von Hilfsmitteln bis in das rund 30 Kilometer entfernte Schweinfurt und noch weiter in die Rhön. Regelmäßig wird der Kombi vom Chef mit aufsaugenden Inkontinenzprodukten gepackt, weil die Apotheken vor Ort nicht an den Verträgen teilnähmen. „Der Service hängt an uns.“

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