Laut offiziellen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) stiegen die Ausgaben der Krankenkassen im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent auf 352,4 Milliarden Euro. Dabei legten die Leistungsausgaben um 7,9 Prozent zu auf 336,4 Milliarden Euro. Die Verwaltungskosten der Kassen stiegen netto – also bereinigt um Aufwendungen, die etwa durch andere Sozialversicherungsträger wie die Pflegeversicherung erstattet wurden – um 4,7 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro.
Die tatsächlichen Bruttoverwaltungsausgaben lagen bei circa 16,9 Milliarden Euro; seit 2015 sind sie um knapp ein Drittel gewachsen.
Aber wofür geben die Kassen eigentlich so viel Geld im Zusammenhang mit den eigenen Apparaten aus?
Personalkosten – 11,5 Milliarden Euro
Rund 11,5 Milliarden Euro und damit zwei Drittel der Bruttokosten entfallen auf sogenannte persönliche Verwaltungsausgaben, also im Wesentlichen Vergütungen an Mitarbeitende und Vorsorgeaufwendungen inklusive Altersrückstellungen. Seit 2015 sind die Aufwendungen durchschnittlich um 2,7 Prozent pro Jahr gestiegen, wobei es durch inflationsbedingt starke Lohnanstiege in den vergangenen drei Jahren zu Zuwächsen von jeweils mehr als 4 Prozent gekommen ist.
Das Plus von insgesamt 31 Prozent ohne Altersrückstellungen innerhalb von zehn Jahren geht laut Finanzkommission vor allem auf steigende Löhne und Sozialabgaben zurück, während die Anzahl der Beschäftigten trotz der um 5,3 Prozent gestiegenen Versichertenzahl um 3 Prozent gesunken ist. Zu berücksichtigen ist übrigens noch, dass 2015 eine große Krankenkasse zusätzliche Rückstellungen in Höhe von rund 250 Millionen Euro für zukünftige Versorgungsbezüge ihrer Mitarbeiter gebildet hatte. Ohne diesen Sondereffekt hätten die Verwaltungsausgaben damals niedriger gelegen – und der Zuwachs wäre höher ausgefallen.
Sachkosten – 5,4 Milliarden Euro
Hierzu gehören vor allem Betriebsausstattung, Mieten, Pachten und Nebenkosten, aber auch Brief- und Portokosten, Reisekosten, Aufklärungs- und Werbemaßnahmen, Prüfungs- und Beratungskosten sowie Vergütungen für externe Dritte. Sie sind seit 2015 um durchschnittlich 4 Prozent pro Jahr gewachsen, was laut Finanzkommission vor allem mit steigenden technologischen Herausforderungen zu begründen ist.
Auffällig ist allerdings der starke Zuwachs bei den Werbeausgaben von 139,4 auf 223,3 Millionen Euro alleine im vergangenen Jahr. Das ist auch der einzige Punkt, an dem die Finanzkommission die Kassen enger an die Leine nehmen würde: Laut den Empfehlungen soll die Obergrenze für Werbeausgaben auf 0,075 Prozent der der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 Sozialgesetzbuch (SGB IV) begrenzt werden, was rund 70 Millionen Euro pro Jahr einsparen würde.
Die Positionen im Detail
Die Übersicht stellen wir allen APOTHEKE ADHOC Plus-Lesern auch als Download zur Verfügung.
Gehälter – 11,296 Milliarden Euro
- Vergütungen der Arbeitnehmer einschließlich Vergütungen der hauptamtlichen Vorstandsmitglieder: 7,975 Milliarden Euro
- Sozialversicherungsbeiträge und sonstige Versicherungsbeiträge für den hauptamtlichen Vorstand und für Arbeitnehmer: 1,713 Milliarden Euro
- Ruhegehälter/Ruhensbezüge, Witwen- und Waisengelder, Altersgelder: 658,8 Millionen Euro
- Dienstbezüge der Beamten und DO-Angestellten: 370,7 Millionen Euro
- Zahlungen an Pensionskassen: 211,9 Millionen Euro
- Beiträge zur Zusatzversorgung für Arbeitnehmer: 174,3 Millionen Euro
- Beihilfen für Versorgungsempfänger: 86,2 Millionen Euro
- Beihilfen für Beschäftigte: 20,5 Millionen Euro
- Renten aus der Zusatzversorgung für Arbeitnehmer: 20,5 Millionen Euro
- Beschäftigungsentgelte: 17,5 Millionen Euro
- Prämien an Rückdeckungsversicherungen: 10,8 Millionen Euro
- Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG): 9,7 Millionen Euro
- Zuschüsse zur Gemeinschaftsverpflegung und für soziale Einrichtungen: 2,6 Millionen Euro
- außergewöhnlicher Aufwand des hauptamtlichen Vorstandes/der Geschäftsführung: 1,0 Millionen Euro
- Fürsorgeleistungen für Beschäftigte und Versorgungsempfänger: 0,8 Millionen Euro
- übrige persönliche Verwaltungskosten: 13,7 Millionen Euro
Mitarbeiterleistungen – 89,7 Millionen Euro
- Berufliche Bildung des Personals: 80,2 Millionen Euro
- Trennungsgeld, Umzugskostenvergütungen und Fahrkostenzuschüsse: 7,6 Millionen Euro
- Zuschüsse für Wohnungsfürsorge und mobiles Arbeiten: 2,0 Millionen Euro
Gremien – 6,5 Millionen Euro
- Aufwendungen für die Vertreterversammlung/Verwaltungsrat: 5,4 Millionen Euro
- Weitere Aufwendungen für Organe: 1,1 Millionen Euro
Werbekosten – 437,5 Millionen Euro
- Werbemaßnahmen: 223,3 Millionen Euro
- Aufklärungsmaßnahmen: 104,7 Millionen Euro
- Verwaltungskosten für Mitgliederwerbung von privaten Dienstleistern: 96,5 Millionen Euro
- Aufwandsentschädigungen an Mitarbeiter/Dritte: 8,4 Millionen Euro
- Mieten für Gegenstände der beweglichen Einrichtung im Zusammenhang mit Werbemaßnahmen: 2,3 Millionen Euro
- Kosten für Gegenstände der beweglichen Einrichtung im Zusammenhang mit Werbemaßnahmen: 1,5 Millionen Euro
- Abschreibungen von Gegenständen der beweglichen Einrichtung im Zusammenhang mit Werbemaßnahmen: 0,9 Millionen Euro
Reisekosten/KfZ – 94,9 Millionen Euro
- Reisekostenvergütung: 71,6 Millionen Euro
- Betrieb von Kraftfahrzeugen: 21,3 Millionen Euro
- Abschreibungen von Kraftfahrzeugen: 2 Millionen Euro
Büros und Gebäude – 1,859 Milliarden Euro
- Mieten für Gegenstände der beweglichen Einrichtung: 644,5 Millionen Euro
- Mieten, Pachten und Nebenkosten für Grundstücke, Gebäude und technische Anlagen: 436,2 Millionen Euro
- Kosten der Gegenstände der beweglichen Einrichtung: 296,1 Millionen Euro
- Abschreibungen von Gegenständen der beweglichen Einrichtung: 201,5 Millionen Euro
- Abschreibungen für Gebäude: 68,9 Millionen Euro
- Unterhaltung der verwaltungseigenen Grundstücke, Gebäude und technischen Anlagen: 51,1 Millionen Euro
- Abschreibungen von technischen Anlagen: 26,5 Millionen Euro
- Abschreibungen Sammelposten: 6,9 Millionen Euro
- Sonstige Kosten der Grundstücke, Gebäude und technischen Anlagen: 1,8 Millionen Euro
Sachkosten – 544,2 Millionen Euro
- Post- und Fernmeldegebühren: 362,4 Millionen Euro
- Geschäftsbedarf: 98,4 Millionen Euro
- Bücher und Zeitschriften: 11,3 Millionen Euro
- Dienst- und Schutzkleidung: 0,5 Millionen Euro
- sonstige Sachkosten der Verwaltung: 71,6 Millionen Euro
Rechtskosten – 132,7 Millionen Euro
- Kosten für Prüfung der Geschäfts-, Rechnungs- und Betriebsführung: 36,4 Millionen Euro
- Kosten der Sozialgerichtsverfahren: 30,1 Millionen Euro
- außergerichtliche Kosten: 27,0 Millionen Euro
- Kosten der sonstigen Gerichtsverfahren: 18,4 Millionen Euro
- Kosten der Vorverfahren: 8,8 Millionen Euro
- Kosten für Ausschüsse und Schiedsämter: 7,4 Millionen Euro
- Erstattung von Gerichtskosten an KVen/Kliniken: 4,6 Millionen Euro
Prüfkosten – 219,9 Millionen Euro
- Prüfungs- und Beratungskosten: 171,9 Millionen Euro
- Aufwendungen für Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen: 21,3 Millionen Euro
- Aufwendungen für Datentransparenz Forschungsdatenzentrum: 18,5 Millionen Euro
- Abrechnungsprüfungen in der vertragsärztlichen Versorgung: 8,3 Millionen Euro
Mitgliedschaften – 714,5 Millionen Euro
- Beiträge an Krankenkassenverbände: 419,3 Millionen Euro
- Beiträge an sonstige Verbände und Vereine: 283,9 Millionen Euro
- anteilige Werbungskosten an den Beiträgen an Krankenkassenverbände: 10,7 Millionen Euro
- anteilige Werbungskosten an den Beiträgen zu Vereinen, Arbeitsgemeinschaften und anderen Verbänden: 0,6 Millionen Euro
Sonstiges
- Sonstige Vergütungen an andere: 1,352 Milliarden Euro
- Weiterleitung von Zuweisungen für Verwaltungskosten BKK-System: 87,4 Millionen Euro
- Vergütungen an andere Krankenkassen: 11,6 Millionen Euro